Anthropic zeigt, welche Berufe heute am stärksten von KI erfasst werden

Anthropic hat eine neue Arbeitsmarkt Analyse veröffentlicht, die zeigen soll, in welchen Berufen KI bereits heute messbar genutzt wird. Grundlage ist eine neue Kennzahl namens observed exposure. Sie verbindet theoretische Automatisierbarkeit mit realer Claude Nutzung in beruflichen Kontexten. Der Bericht macht damit einen wichtigen Unterschied sichtbar. Zwischen dem, was große Sprachmodelle grundsätzlich leisten könnten, und dem, was Unternehmen tatsächlich schon einsetzen, liegt weiter eine deutliche Lücke. 

Programmierer, Kundendienst und Datenerfassung stehen in Anthropic Daten weit oben

Laut Anthropic weisen Computer Programmers mit 75 Prozent die höchste Abdeckung im Datensatz auf. Dahinter folgen Customer Service Representatives und Data Entry Keyers mit 67 Prozent. Anthropic schreibt zudem, dass Computer und Mathematik Berufe zwar theoretisch zu 94 Prozent für LLM Einsatz offen wären, die reale Nutzung auf der eigenen Plattform im Moment aber nur 33 Prozent der Aufgaben in dieser Kategorie abdeckt. Genau dieser Abstand zwischen Fähigkeit und realem Einsatz ist der Kern der Studie. Für den Markt rund um KI Programmierung ist das besonders relevant, weil Coding Aufgaben laut Anthropic schon heute häufiger in automatisierten Abläufen auftauchen als viele andere Tätigkeiten.

Anthropic findet zugleich, dass 30 Prozent der Beschäftigten in den USA derzeit auf null Abdeckung kommen. Ihre Aufgaben tauchen in den Daten zu selten auf, um als relevante KI Nutzung zu gelten. Als Beispiele nennt der Bericht unter anderem Köche, Motorradmechaniker, Rettungsschwimmer, Barkeeper, Spüler und Umkleidekabinen Aufsicht. Anthropic verweist außerdem darauf, dass viele Tätigkeiten mit physischer Präsenz, direkter situativer Wahrnehmung oder Vertretung in realen Umgebungen weiter außerhalb der Reichweite aktueller LLM Nutzung liegen.

Die Studie sieht noch keinen breiten Beschäftigungsschock, aber erste Spuren bei jungen Berufseinsteigern

Bei den Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt bleibt Anthropic vorsichtig. Im Bericht findet sich kein statistisch belastbarer Anstieg der Arbeitslosigkeit in den am stärksten exponierten Berufsgruppen seit dem Start von ChatGPT. Gleichzeitig sieht Anthropic ein erstes mögliches Signal bei jungen Beschäftigten zwischen 22 und 25 Jahren. In stark exponierten Berufen liegt die Rate neuer Jobstarts laut Studie im Schnitt um 14 Prozent unter dem Niveau von 2022. Anthropic betont selbst, dass dieses Ergebnis nur knapp statistisch signifikant ist und mehrere Deutungen zulässt.

Auffällig ist auch, welche Gruppen in der Studie besonders stark exponiert sind. Die Beschäftigten im obersten Viertel der KI Abdeckung verdienen laut Anthropic im Schnitt 47 Prozent mehr als die Gruppe ohne Abdeckung und verfügen häufiger über höhere Bildungsabschlüsse. Für jede zusätzliche Abdeckung von 10 Prozentpunkten sinkt die BLS Beschäftigungsprojektion bis 2034 im Datensatz um 0,6 Prozentpunkte. Anthropic versteht den Bericht deshalb als Frühwarnsystem für Veränderungen im Arbeitsmarkt, nicht als endgültiges Urteil über Gewinner und Verlierer.