Linux lässt sich ohne Installation direkt von einem USB-Stick testen. Ein sogenanntes Live-System startet Ubuntu, Fedora oder eine andere geeignete Distribution vollständig vom Wechseldatenträger. Windows und die vorhandenen Dateien auf der internen SSD bleiben unangetastet, solange im Live-System keine Installation gestartet und keine Festplattenpartition manuell verändert wird.
Ein Live-USB eignet sich deshalb besonders für den ersten Kontakt mit Linux-Distributionen. Der Test zeigt nicht nur Desktop, Programme und Bedienung. Er beantwortet auch eine wichtigere Frage: Funktionieren WLAN, Bluetooth, Grafikkarte, Audio, Touchpad und Energiesparmodus auf dem eigenen Rechner?
Ein Live-USB startet Linux direkt vom USB-Stick
Für einen unkomplizierten Einstieg eignen sich Ubuntu Desktop und Fedora Workstation. Ubuntu empfiehlt für die aktuelle Desktop-Version einen USB-Stick mit mindestens 8 GB. Fedora nennt für Workstation 44 mindestens 4 GB. Ein größerer und schneller USB-Stick verkürzt Ladezeiten und bietet mehr Reserve.
Als Erstes wird das ISO-Abbild der gewünschten Distribution von der offiziellen Projektseite geladen. Danach muss das ISO auf den USB-Stick geschrieben werden. Einfaches Kopieren der ISO-Datei reicht nicht. Ein Programm wie Rufus, balenaEtcher oder Fedora Media Writer erstellt ein bootfähiges Medium.
Wichtig: Der Schreibvorgang löscht den vorhandenen Inhalt des USB-Sticks. Fotos, Dokumente und andere Dateien sollten vorher gesichert werden. Auch beim Schreiben muss das richtige Laufwerk ausgewählt sein. Ein versehentlich gewähltes externes Datenlaufwerk kann sonst überschrieben werden.
| Methode | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|
| Live-USB | Testet echte Hardware ohne Installation | Etwas langsamer und meist ohne dauerhafte Einstellungen |
| Virtuelle Maschine | Kein Neustart und keine Änderung am Bootvorgang | Hardware wird nur virtualisiert getestet |
| Installation auf zweiter SSD | Volle Geschwindigkeit und dauerhafte Daten | Linux wird tatsächlich installiert |
Nach dem Erstellen bleibt der USB-Stick im PC. Anschließend wird der Rechner neu gestartet. Viele Geräte öffnen das Bootmenü über F12. Je nach Hersteller kommen auch Escape, F2, F10 oder eine eigene Funktionstaste zum Einsatz. Im Bootmenü wird der USB-Stick statt der internen SSD gewählt.
Ubuntu startet danach einen Assistenten mit einer Option zum Ausprobieren des Systems. Fedora Workstation bietet ebenfalls eine Live-Umgebung. Eine Installation ist für den Test nicht nötig. Der Desktop läuft direkt vom Stick und aus dem Arbeitsspeicher.
- ISO nur von der offiziellen Distributionsseite laden.
- USB-Stick sichern, da der Schreibvorgang alle Daten entfernt.
- ISO mit einem geeigneten Image-Writer auf den Stick schreiben.
- PC neu starten und USB-Stick im Bootmenü auswählen.
- Im Linux-Menü ausdrücklich den Test- beziehungsweise Live-Modus wählen.
- Keine Installation starten, wenn Windows unverändert bleiben soll.
Vor einer Installation sollten WLAN, Grafik und Standby getestet werden
Ein Live-System ist vor allem ein Hardwaretest. Direkt nach dem Start sollte zuerst die Netzwerkverbindung geprüft werden. WLAN muss verfügbare Netze erkennen und stabil verbunden bleiben. Bluetooth lässt sich mit Maus, Kopfhörern oder Smartphone testen. Bei Notebooks sind Touchpad-Gesten, Funktionstasten und Bildschirmhelligkeit ebenfalls wichtig.
Danach folgt die Grafik. Videos sollten ruckelfrei laufen. Mehrere Fenster dürfen keine auffälligen Darstellungsfehler zeigen. Besitzer eines Systems mit Nvidia-Grafik sollten berücksichtigen, dass ein Live-System nicht zwingend bereits den später gewünschten proprietären Treiber nutzt. Die endgültige Leistung nach einer Installation kann deshalb abweichen.
Audio ist ein weiterer sinnvoller Testpunkt. Lautsprecher, Mikrofon und Kopfhörer sollten korrekt erkannt werden. Bei mehreren Audioausgängen lohnt ein Wechsel zwischen HDMI, eingebauten Lautsprechern und Headset.
Bei Notebooks sollte außerdem der Energiesparmodus ausprobiert werden. Das Gerät wird in den Standby versetzt und anschließend wieder aufgeweckt. WLAN, Bildschirm und Eingabegeräte sollten danach weiter funktionieren. Probleme an dieser Stelle fallen im Alltag wesentlich stärker auf als ein kleiner Unterschied bei der Startzeit.
Auch Drucker, Webcams, Kartenleser und externe Monitore lassen sich bereits im Live-Modus prüfen. Ein solcher Test ist aussagekräftiger als eine reine Kompatibilitätsliste. Linux läuft dabei auf genau dem Rechner und mit genau den Geräten, welche später verwendet werden sollen.
Der Live-Betrieb besitzt allerdings Grenzen. Änderungen und zusätzlich installierte Programme verschwinden bei vielen Standard-Live-Systemen nach einem Neustart. Persönliche Dateien sollten deshalb auf einem separaten Datenträger gespeichert werden. Persistente Live-USB-Systeme können Änderungen behalten, erfordern aber eine gesonderte Einrichtung.
Wer den PC überhaupt nicht neu starten möchte, kann Linux alternativ in einer virtuellen Maschine ausprobieren. Diese Methode schützt das bestehende System ebenfalls gut. Sie eignet sich für Desktop, Paketverwaltung und Programme. Ein echter Hardwaretest ist damit aber nicht möglich, da Linux virtuelle Geräte statt WLAN-Chip, GPU und Audiohardware des Rechners sieht.
Für einen ersten Linux-Test ist der Live-USB deshalb die beste Kombination aus geringem Risiko und realistischer Erfahrung. Nach dem Ausschalten und Entfernen des Sticks startet Windows wieder normal. Erst nach einem erfolgreichen Hardwarecheck lohnt die Entscheidung über Dual Boot, eine zweite SSD oder einen vollständigen Wechsel.