Google erweitert Gemini in Workspace deutlich und macht aus der bisherigen Seitenleiste immer stärker ein Werkzeug für komplette Inhalte statt nur für kurze Hilfsantworten. Ab sofort kann Gemini in Google Docs, Tabellen und Präsentationen aus einer einfachen Texteingabe ganze Dateien erzeugen und dafür Informationen aus Gmail, Drive, Chat und teils auch dem Web zusammenziehen. Google spricht dabei von einer Neuausrichtung der Inhaltserstellung in Workspace. Der Rollout startet zunächst für Geschäftskunden im Gemini Alpha Programm sowie für Nutzer mit Google AI Pro oder AI Ultra. Alle neuen Funktionen starten zunächst nur auf Englisch.
Google macht Gemini in Workspace deutlich praktischer
Am sichtbarsten ist die Änderung in Google Docs. Dort führt Google eine neue Funktion ein, mit der Gemini aus verstreuten Quellen einen formatierten ersten Entwurf baut. Statt nur Textblöcke vorzuschlagen, kann die KI nun Mails, Chat Inhalte und Dateien zusammenführen und daraus direkt ein nutzbares Dokument erstellen. Google nennt als Beispiel einen Newsletter, der aus Besprechungsnotizen, Ereignissen und weiteren Quellen in Workspace zusammengesetzt wird. Anschließend kann Gemini einzelne Abschnitte verfeinern, den Schreibstil angleichen oder das Format an bereits vorhandene Dokumente anpassen.
Auch in Google Tabellen geht Google deutlich weiter als bisher. Gemini kann jetzt komplette Tabellenblätter von Grund auf anlegen oder bestehende Tabellen umbauen. Dazu gehören strukturierte Tabellen, Überschriften, Diagramme und in manchen Fällen auch Formeln. Hinzu kommt eine neue Füllfunktion, mit der sich Spalten automatisch mit zusammengefassten, kategorisierten oder neu erzeugten Daten füllen lassen. Google gibt für diese Funktion in einer eigenen Studie mit 95 Teilnehmenden einen Geschwindigkeitsvorteil von neunfach gegenüber manueller Eingabe bei Aufgaben mit 100 Zellen an. Zusätzlich kann Gemini nun auch komplexere Optimierungsaufgaben in Tabellen lösen.
- Google Docs: Gemini erstellt aus einer einfachen Eingabe einen formatierten ersten Entwurf und kann dafür Inhalte aus Gmail, Drive und Chat zusammenziehen.
- Google Tabellen: Gemini kann Tabellen aufbauen, Daten automatisch ausfüllen, Inhalte kategorisieren und komplexere Optimierungsaufgaben vorbereiten.
- Google Präsentationen: Gemini erstellt neue Folien im Stil vorhandener Decks und wandelt Skizzen oder Tabellen in bearbeitbare Diagramme um.
- Google Drive: Neue KI Übersichten, Antworten mit Quellenangaben und „Ask Gemini“ machen Drive stärker zur aktiven Wissensbasis.
- Gmail, Chat und Kalender: Diese Dienste liefern den Kontext, aus dem Gemini Inhalte für Dokumente, Tabellen und Präsentationen zusammenstellt.
Drive wird zur Wissensbasis, Präsentationen sollen bald komplett aus einer Eingabe entstehen
In Google Präsentationen liegt der Schwerpunkt zuerst auf einzelnen Folien. Gemini kann neue Folien im Stil bestehender Präsentationen erzeugen, Skizzen oder Tabellen in bearbeitbare Diagramme umwandeln und Layout sowie Text stärker an das vorhandene Foliendesign anpassen. Google kündigt aber schon den nächsten Schritt an. Bald soll Gemini komplette Präsentationen aus einer einzigen Beschreibung erstellen können, basierend auf Dokumenten und weiteren Workspace Daten. Das wäre einer der größten praktischen Ausbauten seit dem Start der ersten Gemini Funktionen in Workspace.
Besonders interessant ist die neue Rolle von Google Drive. Google will Drive nicht mehr nur als Dateiablage behandeln, sondern stärker als aktive Wissensbasis positionieren. Dafür kommen KI Übersichten direkt in die Suche, semantische Antworten mit Quellenangaben sowie eine neue Funktion namens Ask Gemini in Drive. Diese kann auf Dateien in Drive, aber auch auf Inhalte aus Gmail, Kalender und Chat zugreifen. Nutzer können die einbezogenen Quellen dabei eingrenzen und sogar eigene Projektsammlungen speichern und teilen. Diese neuen Drive Funktionen starten zuerst für Kunden in den USA, während die neuen Funktionen in Docs, Tabellen und Präsentationen global auf Englisch ausgerollt werden. Wer den Ausbau von Gmail mit neuen KI Funktionen verfolgt hat, sieht hier, wie Google seine einzelnen Produktivitätsdienste immer enger unter Gemini zusammenzieht.
Google betont zugleich, dass für Geschäftskunden dieselben Datenschutz und Kontrollmechanismen gelten sollen wie bei anderen Workspace Diensten. Das Unternehmen verweist auf seine Datenschutzseite für generative KI in Workspace und erklärt, dass die neuen Funktionen zunächst für Alpha Nutzer und Abonnenten von Google AI Pro oder AI Ultra freigeschaltet werden, bevor sie in den kommenden Monaten breiter verfügbar werden. Für Nutzer heißt das vor allem: Gemini wird in Workspace von einer Hilfe zum Schreiben zunehmend zu einem Werkzeug, das ganze Arbeitsdateien erstellt, umbaut und mit Daten aus mehreren Google Diensten zusammenhält.