IDC erwartet für den Asien Pazifik Raum im Jahr 2026 einen deutlichen Rückgang der PC Auslieferungen. Laut der am 24. März veröffentlichten Prognose sollen die traditionellen PC Auslieferungen in der Region von 106,6 Millionen Geräten im Jahr 2025 auf 92,0 Millionen im Jahr 2026 fallen. Das entspräche einem Minus von 13,7 Prozent. IDC nennt als Hauptgründe anhaltende Engpässe bei DRAM und NAND, steigende Preise und eine schwächere Nachfrage nach dem starken Austauschzyklus des Vorjahres. Der Auslöser für den Speicherdruck liegt laut IDC in der hohen Nachfrage aus KI Rechenzentren, die Fertigungskapazitäten von Consumer Hardware abziehen.
IDC sieht 2025 als Ausnahmejahr und 2026 als Gegenbewegung
IDC beschreibt 2025 ausdrücklich als ungewöhnlich starkes Jahr für den Asien Pazifik Raum. Die Region legte um 11,6 Prozent zu, weil viele alte Geräte ersetzt wurden, weil das Support Ende von Windows 10 zusätzliche Käufe auslöste und weil große Bildungsausschreibungen in Ländern wie Indien, Indonesien und Japan für mehr Nachfrage sorgten. IDC schreibt auch, dass alle Länder der Region im vierten Quartal 2025 ein Wachstum verzeichneten, weil Hersteller und Käufer Beschaffungen vorzogen, um den erwarteten Lieferengpässen und Preissteigerungen im Jahr 2026 zuvorzukommen. Für 2026 fällt dieser Sondereffekt weg. Genau deshalb rechnet IDC jetzt mit einer klaren Gegenbewegung.
Der Rückgang im Asien Pazifik Raum fällt zudem stärker aus als im weltweiten Gesamtmarkt. IDC hatte seine globale PC Prognose bereits am 12. März deutlich gesenkt und erwartet für 2026 nun weltweit ein Minus von 11,3 Prozent statt der zuvor angenommenen 2,4 Prozent. Gleichzeitig geht IDC davon aus, dass die höheren Durchschnittspreise den Marktwert der PC Branche trotz sinkender Stückzahlen noch auf 274 Milliarden US Dollar steigen lassen. Das zeigt, dass der Markt nicht nur unter Nachfrageschwäche leidet, sondern auch unter einer strukturellen Verteuerung der Geräte.
KI Rechenzentren ziehen DRAM und NAND aus dem PC Markt ab
IDC verknüpft die schwächere PC Prognose direkt mit dem Ausbau der KI Infrastruktur. Nach Einschätzung des Marktforschers verschiebt sich die Produktion bei Speicherherstellern zunehmend in Richtung Rechenzentren, weil dort höhere Margen erzielt werden. In einer eigenen Analyse zur globalen Speicherkrise schreibt IDC, dass die Nachfrage nach HBM, DDR5 und anderen Rechenzentrumsbausteinen einen Teil der verfügbaren Waferkapazität von klassischen Consumer Produkten abzieht. IDC erwartet deshalb für 2026 beim DRAM Angebot nur noch ein Wachstum von 16 Prozent und beim NAND Angebot von 17 Prozent. Beide Werte liegen laut IDC unter den historischen Normen.
Für den PC Markt hat das direkte Folgen. IDC rechnet damit, dass Hersteller 2026 stärker auf reifere Märkte mit höheren Durchschnittspreisen setzen, um ihre Margen zu schützen. Besonders anfällig seien die auf günstige Geräte ausgerichteten Märkte in Südostasien. Dort treffen knappes Angebot und steigende Preise auf eine besonders hohe Preissensibilität. IDC geht zudem davon aus, dass einige Hersteller Geräte mit schwächerer Standardausstattung auf den Markt bringen könnten, etwa mit weniger Arbeitsspeicher oder kleinerem SSD Ausbau, um die höheren Speicherkosten abzufedern. Reuters hatte bereits im Januar berichtet, dass die weltweit größten Speicherhersteller Samsung, SK Hynix und Micron wegen der starken Nachfrage aus KI Rechenzentren Mühe haben, die Nachfrage vollständig zu bedienen, und dass gerade Hersteller günstiger und mittlerer Geräte besonders stark unter dem Preisdruck leiden.
IDC rechnet nicht mit einer schnellen Entspannung. In der globalen Prognose vom 12. März heißt es, die Speicherengpässe dürften weit in das Jahr 2027 hineinreichen. Eine Rückkehr auf das Preisniveau von 2025 erwartet IDC nicht vor 2028. Für den Hardware Markt ist das deshalb mehr als eine regionale Prognose. Der Bericht aus dem Asien Pazifik Raum zeigt, wie stark die KI Infrastruktur inzwischen auf klassische PC Segmente zurückwirkt, zuerst über DRAM und NAND, danach über Preise, Gerätekonfigurationen und am Ende über die Stückzahlen selbst.