Anthropic baut Google Deal aus und meldet mehr als 30 Milliarden Dollar Run Rate

Anthropic hat am 6. April eine neue Infrastrukturvereinbarung mit Google und Broadcom angekündigt, die dem Unternehmen ab 2027 mehrere Gigawatt an TPU Kapazität sichern soll. Der Konzern spricht von seiner bisher größten Compute Zusage und verbindet sie direkt mit der stark gestiegenen Nachfrage nach Claude. Gleichzeitig meldet Anthropic, dass die eigene Run Rate inzwischen über 30 Milliarden US Dollar liegt, nach rund 9 Milliarden US Dollar Ende 2025. Damit ist die Meldung weit mehr als ein Produktupdate. Sie markiert einen neuen Macht und Infrastrukturmoment im KI Rennen.

Für die KI News ist vor allem die Größenordnung entscheidend. Anthropic nennt nicht nur mehr Kapazität, sondern mehrere Gigawatt an Rechenleistung, die mehrheitlich in den USA stehen sollen. Das Unternehmen beschreibt die Vereinbarung ausdrücklich als Ausbau seiner November 2025 Zusage, 50 Milliarden US Dollar in amerikanische Compute Infrastruktur zu investieren. Damit geht es nicht um einen normalen Cloud Vertrag, sondern um eine sehr langfristige Absicherung von Strom, Rechenzentren und Chips für Frontier Modelle.

Der Deal vertieft die TPU Achse zwischen Anthropic, Google und Broadcom

Anthropic baut mit der neuen Vereinbarung eine bestehende TPU Beziehung deutlich aus. Bereits im Oktober 2025 hatte das Unternehmen angekündigt, seine Nutzung von Google Cloud Technologien stark auszuweiten, darunter bis zu eine Million TPUs sowie zusätzliche Google Cloud Dienste. Damals sprach Anthropic von weit mehr als einem Gigawatt Kapazität, das 2026 online gehen sollte. Der neue Deal setzt genau darauf auf und verschiebt die nächste Ausbauphase nun in die Multi Gigawatt Kategorie ab 2027.

Parallel dazu stärkt die Ankündigung auch Broadcoms Rolle im KI Stack von Google. Broadcom hat in einem SEC Filing offengelegt, dass das Unternehmen mit Google eine langfristige Vereinbarung zur Entwicklung und Lieferung künftiger TPUs sowie eine Supply Assurance Vereinbarung für Networking und weitere Komponenten bis 2031 geschlossen hat. Reuters berichtet zusätzlich, dass Broadcom im Rahmen der ausgeweiteten Partnerschaft Anthropic Zugang zu rund 3,5 Gigawatt AI Compute auf Basis von Google Chips verschaffen soll. Die Infrastrukturfrage ist damit nicht nur ein Cloud Thema, sondern ein direktes Hardware und Supply Chain Thema.

Anthropic betont dabei, dass Google nicht die einzige Hardware Achse bleibt. Das Unternehmen sagt ausdrücklich, dass Claude weiter auf AWS Trainium, Google TPUs und NVIDIA GPUs trainiert und betrieben wird. Amazon bleibe der primäre Cloud Provider und Training Partner, die Zusammenarbeit an Project Rainier laufe weiter. Zugleich verweist Anthropic darauf, dass Claude als einziges Frontier Modell auf allen drei größten Cloud Plattformen verfügbar sei, also auf AWS Bedrock, Google Vertex AI und Microsoft Azure Foundry. Gerade das macht die neue Google und Broadcom Vereinbarung strategisch interessant: Anthropic setzt nicht alles auf einen Anbieter, sondern baut ein mehrgleisiges Compute Modell auf.

Der größere Punkt ist nicht Claude allein, sondern die neue Größenordnung im KI Wettrennen

Die Geschäftsdaten erklären, warum Anthropic jetzt so aggressiv absichert. Im Februar hatte das Unternehmen bei seiner Series G Finanzierung noch erklärt, dass mehr als 500 Geschäftskunden jeweils über 1 Million US Dollar auf annualisierter Basis ausgeben. In der neuen Infrastrukturmeldung heißt es nun, diese Zahl liege bereits bei über 1.000. Gleichzeitig sei die Run Rate von etwa 9 Milliarden US Dollar Ende 2025 auf über 30 Milliarden US Dollar gestiegen. Anthropic begründet den neuen Compute Deal damit selbst als Antwort auf außergewöhnliche Nachfrage und exponentielles Kundenwachstum.

Genau deshalb ist die Headline so stark. Mehrere Gigawatt TPU Kapazität ab 2027 bedeuten, dass Anthropic sich nicht nur Rechenzeit für den nächsten Modellzyklus sichert, sondern seinen Platz im Infrastrukturrennen neben OpenAI, Google, Amazon und xAI neu absichert. Dazu kommt, dass Google seine TPUs inzwischen immer offensiver als Alternative zu NVIDIA positioniert. Broadcom wiederum bekommt über den Google Deal bis 2031 direkte Sichtbarkeit in einem der wichtigsten Custom AI Chip Programme der Branche. Die Anthropic Meldung steht damit an der Schnittstelle von KI, Google und Hardware und zeigt, wie eng Modellentwicklung, Cloud Plattformen und Chip Lieferketten inzwischen zusammengewachsen sind.

Für den Markt bleibt nun vor allem eine Frage offen: Wie schnell lässt sich diese Kapazität tatsächlich in Modelle, Umsatz und Marktanteile übersetzen. Der Schritt selbst ist aber schon jetzt klar. Anthropic sichert sich auf Jahre hinaus einen deutlich größeren Anteil an der nächsten TPU Welle und macht damit sichtbar, dass das KI Rennen längst nicht mehr nur über Modelle entschieden wird, sondern über Strom, Chips, Netzwerke und wer sich davon zuerst genug sichern kann.