Linux 7.0 ist da, Rust verliert den Experimentalstatus

Linus Torvalds hat Linux 7.0 am 12. April 2026 freigegeben. Die neue Hauptversionsnummer steht dabei nicht für einen radikalen Umbau des Kernels. Torvalds hatte schon zum Start von 7.0 rc1 klargemacht, dass der Sprung vor allem der Nummerierung dient und kein Signal für einen Bruch mit bisherigen Schnittstellen ist. Inhaltlich fällt an Linux 7.0 vor allem ein Punkt auf: Rust gilt im Kernel jetzt nicht mehr als experimentell. Dazu kamen im Merge Window auch Architekturupdates für SPARC und ein eigenes Alpha Update. In seiner Freigabemeldung zur finalen Version sprach Torvalds zudem offen darüber, dass KI Werkzeuge wohl noch länger ungewöhnliche Randfälle im Kernel finden werden. Genau das könnte nach seiner Einschätzung vorerst der neue Normalzustand werden.

Warum Linux 7.0 trotz neuer Hauptversionsnummer kein Bruch ist

Torvalds hat die Einordnung des Releases selbst sehr klar formuliert. Schon in der 7.0 rc1 Ankündigung schrieb er, dass Linux seit langer Zeit nicht mehr nach dem Muster stabil gegen instabil oder nach einzelnen Großfunktionen versioniert wird. Die neue Zahl sei vor allem ein sauberer Überlaufpunkt nach der langen 6.x Reihe. Entsprechend liest sich auch das Merge Window. In seiner Übersicht für 7.0 rc1 nennt Torvalds die üblichen Schwerpunkte aus Treibern, Architekturarbeit, Dateisystemen, Tooling und Kerncode. Unter den Architekturänderungen tauchen dort ausdrücklich sparc updates und ein alpha update auf. Für SPARC ist sogar dokumentiert, was konkret in 7.0 gelandet ist. Dazu gehören unter anderem clone3 Support, Korrekturen bei fork und clone, Anpassungen wegen weggefallener glibc termio Abhängigkeiten und weitere Aufräumarbeiten im Code. Das ist kein Massenumbau für Alltagsnutzer, aber es zeigt, dass Linux 7.0 auch ältere und seltenere Architekturen weiter aktiv pflegt.

Für die Einordnung des Release Tempos ist auch der Zeitplan wichtig. Kernel.org führt 7.0 seit dem 12. April 2026 als neue Mainline Version. Schon einen Tag nach der Freigabe war auf Kernel.org zudem linux next 20260413 sichtbar. Torvalds schrieb in seiner Release Mail ebenfalls, dass am folgenden Tag bereits das Merge Window für 7.1 öffnet. Das unterstreicht den normalen Entwicklungsrhythmus des Projekts. Linux 7.0 ist deshalb kein symbolischer Neustart, sondern die nächste Hauptversion in einem sehr gleichmäßigen Veröffentlichungsmodell.

Warum Rust in Linux 7.0 der eigentliche Kernpunkt ist

Die wichtigste inhaltliche Änderung von Linux 7.0 ist der neue Status von Rust. Im Dezember 2025 wurde auf der Kernel Mailingliste offiziell festgehalten, dass das Rust Experiment im Kernel als abgeschlossen gilt. In dem Patch rust: conclude the Rust experiment schrieb Miguel Ojeda, dass Rust in v6.1 zunächst ausdrücklich als Experiment aufgenommen worden sei, dieses Experiment inzwischen aber als erfolgreich beendet gelte und Rust damit bleibe. In der aktuellen 7.0 Dokumentation gibt es auch keinen Abschnitt mehr, der Rust als Experiment einordnet. Stattdessen führt die Kernel Dokumentation eine normale Rust Sektion mit Quick Start, General Information, Coding Guidelines, Arch Support und Testing. Die Quick Start Anleitung beschreibt CONFIG_RUST als reguläre Kernel Option. Die Seite zu den unterstützten Architekturen listet bereits gepflegte Rust Unterstützung für arm, arm64, loongarch, riscv, um und x86_64. Das ist der eigentliche Grund, warum Linux 7.0 mehr ist als nur eine neue Versionszahl.

Torvalds hat den Abschluss des Releases außerdem mit einer bemerkenswerten Beobachtung zur Rolle von KI verbunden. In seiner finalen Linux 7.0 Mail schrieb er, dass vermutlich viel Nutzung von KI Werkzeugen derzeit weiter ungewöhnliche Randfälle im Kernel aufdeckt und dass dies für eine Weile der neue Normalzustand sein könnte. Parallel dazu gibt es inzwischen auch offizielle Dokumentation für AI Coding Assistants im Kernel Projekt. Diese stellt klar, dass KI Hilfen dem normalen Entwicklungsprozess folgen müssen, dass nur Menschen ein Signed off by setzen dürfen und dass für KI Beiträge ein Assisted by Tag vorgesehen ist. Linux 7.0 steht damit an einem interessanten Punkt. Der Kernel übernimmt mit Rust eine zusätzliche Sprache dauerhaft in seinen Entwicklungsalltag und formuliert gleichzeitig klarer, wie KI Werkzeuge in denselben Prozess eingebunden werden dürfen. Für ein Projekt, das sonst große Versionssprünge bewusst entdramatisiert, ist genau diese Kombination die eigentliche Nachricht hinter Linux 7.0.