OpenAI startet eine neue Personal-Finance-Erfahrung in ChatGPT. Die Vorschau steht zunächst einer kleinen Gruppe von ChatGPT Pro-Nutzern in den USA auf Web und iOS zur Verfügung. Nutzer können Finanzkonten verbinden, Salden und Ausgaben in einem Dashboard prüfen und Fragen auf Basis ihrer echten Kontodaten stellen. Der Start zeigt, wie stark neue KI-Funktionen inzwischen in sensible Alltagsbereiche wie Geld, Verträge, Abos, Schulden und Investments vordringen.
OpenAI nennt den 15. Mai 2026 als Veröffentlichungsdatum der Primärquelle. Der Rollout erfolgt schrittweise. Einige berechtigte Pro-Nutzer sehen die Funktion daher noch nicht sofort. Nach der ersten Testphase soll ChatGPT Finances auf Plus-Nutzer ausgeweitet werden. Langfristig plant OpenAI eine breitere Verfügbarkeit. Ein Termin für Deutschland, Österreich, die Schweiz oder andere Märkte außerhalb der USA steht bisher nicht fest.
Was ChatGPT mit verbundenen Finanzkonten anzeigen kann
Der neue Bereich heißt in der Oberfläche Finances. Nutzer starten ihn über die Seitenleiste oder per Eingabe von @Finances, connect my accounts in einem Chat. Die Verbindung läuft zum Start über Plaid. OpenAI nennt Unterstützung für mehr als 12.000 Finanzinstitute. Support durch Intuit soll folgen. Nach der Anmeldung synchronisiert und kategorisiert ChatGPT die Daten. Dieser Vorgang kann einige Minuten dauern, in seltenen Fällen auch länger.
Das Dashboard soll Ausgaben, Rechnungen, Abos, Nettovermögen, Portfolioinformationen und wiederkehrende Zahlungen an einem Ort zeigen. Je nach Datenlage erscheinen Widgets für Ausgaben nach Kategorie, kommende Zahlungen, aktive Abonnements, Haushaltsrechnungen, Vermögensentwicklung, Portfolioverteilung und Marktbewegungen. Nutzer können außerdem normale ChatGPT-Fragen stellen, etwa zu den größten Ausgaben im Monat, zu doppelten Zahlungen, zur Kreditkartenschuld oder zur Zusammensetzung eines Portfolios.
Ergänzend führt OpenAI Financial Memories ein. Dabei handelt es sich um spezielle Erinnerungen für Finanzgespräche. Nutzer können etwa ein Sparziel, eine Hypothek, einen privaten Kredit, eine geplante größere Anschaffung oder eine geteilte Miete speichern lassen. ChatGPT kann diesen Kontext später für Finanzgespräche nutzen. Die Erinnerungen lassen sich auf der Finances-Seite ansehen und löschen.
Datenschutz, Grenzen und Modellwahl
OpenAI betont mehrere Einschränkungen. ChatGPT kann verbundene Salden, Transaktionen, Investments und Verbindlichkeiten nutzen. Vollständige Kontonummern sieht ChatGPT laut OpenAI nicht. Das System kann außerdem kein Geld bewegen, keine Rechnungen bezahlen, keine Trades ausführen, keine Kontoeinstellungen ändern, keine Rentenbeiträge anpassen, keine Finanzkonten öffnen oder schließen und keine Steuererklärung einreichen. OpenAI stellt klar, dass ChatGPT keinen Finanzberater, Steuerberater, Anwalt oder Anlageberater ersetzt.
Die Funktion folgt den normalen Trainingseinstellungen des jeweiligen ChatGPT-Kontos. Nutzer können diese Einstellungen in den Datenkontrollen ändern. Verbundene Finanzkonten lassen sich in den Einstellungen unter Apps und Finances oder direkt auf der Finances-Seite trennen. Nach dem Trennen löscht OpenAI die synchronisierten Kontodaten laut eigener Angabe innerhalb von 30 Tagen. Finanzinformationen in bestehenden Chatverläufen bleiben davon ausgenommen, können aber über das Löschen einzelner Unterhaltungen entfernt werden. Temporäre Chats greifen nicht auf verbundene Finanzkonten zu und erscheinen nicht im Verlauf.
Für Gespräche mit verbundenen Finanzdaten nutzt OpenAI standardmäßig GPT-5.5 Thinking. Für ChatGPT-Pro-Nutzer steht außerdem GPT-5.5 Pro bereit. OpenAI nennt für GPT-5.5 Thinking einen internen Benchmarkwert von 79 von 100. GPT-5.5 Pro erreicht 82,5 von 100. Der Test entstand laut OpenAI mit mehr als 50 Finanzfachleuten und bewertet schwierige persönliche Finanzaufgaben. Die Werte zeigen dennoch nur OpenAIs eigene Messung. Nutzer sollten Antworten prüfen, Annahmen kontrollieren und bei rechtlichen, steuerlichen oder Investmentfragen qualifizierte Beratung einholen.
OpenAI will den Finanzbereich künftig stärker mit Aktionen verknüpfen. Als Beispiele nennt das Unternehmen Kreditkartenempfehlungen mit geschätzten Genehmigungschancen, Anträge innerhalb von ChatGPT, Steuerschätzungen und Termine mit lokalen Steuerexperten über Partner wie Intuit. Diese Richtung macht die Funktion strategisch deutlich größer als ein reines Budget-Dashboard. Für Nutzer in der EU bleibt vorerst entscheidend, wann OpenAI eine Version außerhalb der USA startet und welche Datenschutzvorgaben dann für verbundene Kontodaten gelten.