AlmaLinux hat am 26. Mai 2026 zwei stabile Versionen seiner Enterprise-Linux-Distribution veröffentlicht. Die AlmaLinux OS Foundation stellt AlmaLinux OS 9.8 mit dem Codenamen Olive Jaguar und AlmaLinux OS 10.2 mit dem Codenamen Lavender Lion bereit. Für Administratoren, Hosting-Anbieter und Unternehmen mit Linux Servern ist der Doppelstart relevant, weil AlmaLinux als Community-Alternative im RHEL-Ökosystem eine wichtige Rolle spielt.
Die gleichzeitige Veröffentlichung ist für das Projekt ein Meilenstein. AlmaLinux spricht von der ersten stabilen Doppelveröffentlichung am selben Tag. Möglich wurde sie laut Projekt durch bessere Automatisierung, engere QA-Abläufe und ein Build-System für zwei parallele Release-Zweige. Für Nutzer bedeutet das kürzere Wartezeiten zwischen den Minor-Versionen der AlmaLinux-9- und AlmaLinux-10-Reihe.
AlmaLinux 9.8 bringt Python 3.14 und neue Modulstreams
AlmaLinux 9.8 basiert auf dem Kernel 5.14.0-687.5.3.el9_8 und richtet sich an Installationen, die weiter auf der bewährten AlmaLinux-9-Plattform bleiben. Die neue Version bringt Python 3.14 als neues Paket, aktualisierte Compiler-Toolsets und neue Streams für MariaDB, PostgreSQL und Ruby. Zusätzlich liefert AlmaLinux 9.8 einen aktualisierten Modulstream für Node.js 24.
Auch Container- und Virtualisierungskomponenten wurden aktualisiert. AlmaLinux nennt Podman, Buildah, libvirt, QEMU-KVM und skopeo. Im Sicherheitsbereich verweist AlmaLinux auf Aktualisierungen für OpenSSL, OpenSSH, GnuTLS, SELinux-Richtlinien und Crypto-Policies. Damit ist AlmaLinux 9.8 vor allem ein Wartungs- und Plattformupdate für bestehende Serverumgebungen.
Eine Besonderheit betrifft einen Kernel-Backport. AlmaLinux 9.8 enthält einen von ALESCo genehmigten Fix gegen übermäßige CPU-Last durch systemd und ps während der Task-Bereinigung. AlmaLinux hatte den Fix ursprünglich für CentOS Stream 9 eingereicht. Die Aufnahme wurde dort aber verschoben. Das AlmaLinux-Projekt nimmt den Patch deshalb bereits in 9.8 auf.
AlmaLinux 10.2 erweitert Hardware- und Softwareunterstützung
AlmaLinux 10.2 basiert auf dem Kernel 6.12.0-211.7.3.el10_2 und bringt die größeren Änderungen der aktuellen AlmaLinux-10-Reihe. Die Version enthält Python 3.14, PostgreSQL 18, MariaDB 11.8, Ruby 4.0 und PHP 8.4 als neue Pakete. Zusätzlich nennt AlmaLinux SDL3, libkrun, trustee und Werkzeuge für FIDO Device Onboard. Auf dem Desktop ist GNOME 49 enthalten. Für Administratoren dürfte AlmaLinux 10.2 vor allem durch die Abweichungen von Upstream RHEL interessant sein. AlmaLinux nennt weiterhin Btrfs-Unterstützung inklusive Boot von einem Btrfs-Volume, das standardmäßig aktivierte CRB-Repository und einen parallelen x86_64_v2-Build mit passender EPEL-Abdeckung für ältere Hardware. Hinzu kommt die Rückkehr von i686-Userspace-Paketen. Diese Pakete ermöglichen ältere 32-Bit-Software, CI-Pipelines und containerisierte Workloads auf AlmaLinux 10.
AlmaLinux 10.2 aktiviert außerdem KVM für IBM POWER vollständig im Virtualisierungsstack. Frame Pointer sind standardmäßig wieder aktiv, damit systemweite Profiling-Werkzeuge direkt nutzbar sind. SPICE-Unterstützung kehrt für Server- und Client-Anwendungen zurück. Firefox und Thunderbird liegen wieder als reguläre RPM-Pakete in den System-Repositories. Das Projekt ergänzt auch ältere Speicher- und Netzwerktreiber, die Upstream deaktiviert hatte. AlmaLinux nennt unter anderem Treiber für Adaptec, Dell PERC, HP, Mellanox, QLogic, Emulex, LSI und Broadcom. Für Rechenzentren, Labors und kleinere Unternehmen mit älterer Serverhardware kann dieser Punkt wichtiger sein als neue Programmiersprachen oder Desktop-Komponenten.
Installations-ISOs stehen für die unterstützten Architekturen bereit. AlmaLinux 9.8 unterstützt x86_64, aarch64, ppc64le und s390x. AlmaLinux 10.2 ergänzt zusätzlich x86_64_v2. Laut Release Notes erhält AlmaLinux 9 aktiven Support bis zum 31. Mai 2027 und Sicherheitsupdates bis zum 31. Mai 2032. AlmaLinux 10 erhält aktiven Support bis zum 31. Mai 2030 und Sicherheitsupdates bis zum 31. Mai 2035. Für produktive Systeme bleibt ein Testlauf auf Staging-Servern sinnvoll, bevor Administratoren die neuen Minor-Versionen breit ausrollen.