Chrome 151 entfernt die letzten Manifest-V2-Schlupflöcher und macht alte Erweiterungen in Googles Browser praktisch nicht mehr reaktivierbar. Betroffen sind verbliebene Codepfade und Entwicklerschalter, über die einzelne Nutzer Manifest-V2-Erweiterungen nach dem offiziellen Aus noch teilweise laden konnten. Google hatte Manifest V2 bereits mit Chrome 138 deaktiviert und die Enterprise-Ausnahme mit Chrome 139 gestrichen. Mit Chrome 151 endet nun auch der Restbestand an Workarounds für alte Erweiterungen wie klassische Werbeblocker.
Chrome 151 schließt die verbliebenen Manifest-V2-Pfade
Manifest V2 war die frühere Erweiterungsplattform für Chrome. Viele ältere Erweiterungen nutzten sie für Hintergrundprozesse, Filterlogik und tiefere Eingriffe in Netzwerkaufrufe. Manifest V3 ersetzt diese Architektur durch ein stärker eingeschränktes Modell mit Service Workern, deklarativen Regeln und anderen Sicherheitsgrenzen.
Für Chrome-Erweiterungen ist Chrome 151 deshalb mehr als ein normales Versionsupdate. Google entfernt nicht nur sichtbare Warnungen oder eine Option in der Oberfläche. Der Konzern beseitigt verbliebene technische Pfade, die nach dem offiziellen Aus noch als Notlösungen kursierten.
Google hatte die Abschaltung über mehrere Jahre gestreckt. Seit Chrome 138 sind Manifest-V2-Erweiterungen laut Googles Zeitplan für alle Nutzer auf allen Chrome-Kanälen deaktiviert. Nutzer können sie nicht mehr normal zurückholen. Mit Chrome 139 entfernte Google zusätzlich die Enterprise-Richtlinie `ExtensionManifestV2Availability`, die Firmen zuvor noch eine Übergangsfrist verschafft hatte.
Die nun diskutierte Änderung betrifft die letzten Reste in Chromium. The Verge berichtete im Juni auf Basis eines Chromium-Commits, dass Chrome 150 und Chrome 151 die letzten Workarounds für alte Manifest-V2-Erweiterungen abschneiden. Google-Entwickler Devlin Cronin erklärte in dem Commit-Kommentar, Manifest-V2-Erweiterungen seien in keiner unterstützten Chrome-Version mehr erlaubt. Die verbliebene Funktionalität verursache Wartungsaufwand, technische Schuld und Sicherheitsrisiken.
Die wichtigsten Punkte im Überblick:
- Chrome 138 deaktivierte Manifest-V2-Erweiterungen für alle Nutzer.
- Chrome 139 entfernte die Enterprise-Richtlinie für Manifest-V2-Verfügbarkeit.
- Chrome 150 schloss bereits weitere Flag-Pfade für alte Erweiterungen.
- Chrome 151 entfernt verbliebene Codepfade wie `AllowLegacyMV2Extensions`.
- Manifest-V3-Erweiterungen bleiben der einzige reguläre Weg im Chrome Web Store.
- 31. August 2026 ist laut Google der Termin für die Entfernung verbliebener Manifest-V2-Erweiterungen aus dem Chrome Web Store.
| Chrome-Version | Manifest-V2-Status | Folge für Nutzer und Admins |
|---|---|---|
| Chrome 138 | Manifest V2 für alle Nutzer deaktiviert | alte Erweiterungen lassen sich nicht mehr normal einschalten |
| Chrome 139 | Enterprise-Richtlinie entfernt | Firmen verlieren die offizielle Übergangsrichtlinie |
| Chrome 150 | weitere Reaktivierungsflags entfernt | Store-basierte Workarounds fallen weg |
| Chrome 151 | letzte Codepfade und Entwicklerschalter entfernt | Entwicklermodus und Feature-Flags helfen nicht mehr zuverlässig |
| 31. August 2026 | verbliebene Manifest-V2-Erweiterungen verschwinden aus dem Chrome Web Store | installierte Kopien erhalten keine Updates und können nicht neu installiert werden |
Besonders sichtbar ist das bei alten Werbeblockern. Das klassische uBlock Origin nutzte Manifest V2 und funktioniert in Chrome nicht mehr wie früher. Nutzer werden auf Manifest-V3-Alternativen wie uBlock Origin Lite, andere MV3-Blocker oder Browser mit anderer Erweiterungsstrategie verwiesen. Der Funktionsumfang ist dabei nicht immer identisch.
Der Streit dreht sich nicht nur um eine einzelne Erweiterung. Manifest V2 erlaubte blockierende `webRequest`-Logik, bei der eine Erweiterung Netzwerkaufrufe zur Laufzeit prüfen und stoppen konnte. Manifest V3 verschiebt einen großen Teil dieser Arbeit in die `declarativeNetRequest`-API. Erweiterungen übergeben Regeln an den Browser. Chrome entscheidet dann anhand dieser Regeln, was blockiert wird.
Google begründet den Umbau mit Sicherheit, Datenschutz, Leistung und Wartbarkeit. Erweiterungen sollen weniger dauerhaft laufenden Hintergrundcode ausführen. Der Browser soll stärker kontrollieren, welche Netzwerkregeln greifen. Kritiker sehen darin eine Schwächung besonders leistungsfähiger Inhaltsblocker, weil nicht alle dynamischen Filtermechanismen und kontextabhängigen Entscheidungen in Manifest V3 abbildbar sind.
Alte Werbeblocker verlieren den letzten Chrome-Ausweg
Für normale Nutzer ist die praktische Folge einfach: Eine alte Manifest-V2-Erweiterung lässt sich in Chrome 151 nicht mehr durch versteckte Flags, Startparameter oder Entwicklermodus-Schalter zuverlässig zurückbringen. Wer weiter Chrome nutzt, muss auf eine Manifest-V3-Version oder eine andere Erweiterung umsteigen.
Das betrifft besonders Setups, die lange mit Workarounds weiterliefen. In Foren kursierten Startparameter und Feature-Flags, um Manifest-V2-Erweiterungen noch einmal zu aktivieren. Solche Methoden waren nie als dauerhafte Lösung gedacht. Mit Chrome 151 verschwinden die zugrunde liegenden Codepfade. Ein Schalter ohne Implementierung kann die alte Plattform nicht mehr reaktivieren.
Für Unternehmen ist der Einschnitt ebenfalls relevant. Die offizielle Enterprise-Richtlinie war bereits mit Chrome 139 entfernt worden. Admins können alte Manifest-V2-Erweiterungen daher nicht mehr regulär über diese Richtlinie am Leben halten. Firmen mit internen Erweiterungen mussten längst auf Manifest V3 migrieren oder alternative Bereitstellungswege außerhalb von Chrome prüfen.
Der 31. August 2026 bleibt als letzter Termin im Chrome Web Store wichtig. Google nennt dieses Datum für die Entfernung aller verbliebenen Manifest-V2-Erweiterungen aus dem Store. Bereits installierte Kopien bleiben nach Googles Formulierung zwar installiert, können aber keine Updates mehr erhalten und nach Entfernung nicht erneut aus dem Store installiert werden.
Für Entwickler bedeutet der Schritt einen endgültigen Architekturwechsel. Manifest-V3-Erweiterungen müssen ihre Hintergrundlogik, Berechtigungen, Netzwerkfilter und langlebigen Prozesse anders organisieren. Service Worker ersetzen permanente Hintergrundseiten. Remote-Code-Regeln bleiben strenger. Filtererweiterungen müssen mit den Grenzen der deklarativen Regel-API arbeiten.
Für Nutzer von Inhaltsblockern zählt vor allem die Funktionsprüfung. Ein Manifest-V3-Blocker kann viele Standardfilter umsetzen. Bestimmte fortgeschrittene Funktionen können aber fehlen oder anders arbeiten. Dazu zählen dynamische Filter, sehr kontextabhängige Regeln, spezielle Scriptlet-Logik oder Funktionen, die vom vollständigen Zugriff auf laufende Netzwerkentscheidungen abhängen.
Chrome bleibt damit auf Googles Manifest-V3-Kurs. Andere Chromium-Browser können theoretisch eigene Patches pflegen. Je mehr Code Google aus Chromium entfernt, desto größer wird aber der Aufwand für Abweichungen. Browseranbieter müssen dann nicht nur einen Schalter erhalten, sondern entfernte Funktionalität selbst weiterpflegen.
Die Änderung fällt in eine Phase, in der Google Chrome ohnehin schneller weiterentwickelt. Nach Chrome 152 mit neuen Web-Schnittstellen folgt bereits der nächste Schritt in Richtung kürzerer Releasezyklen. Für Erweiterungsentwickler erhöht das den Druck, Anpassungen schneller zu testen und alte Annahmen über Chrome-Versionen nicht zu lange mitzuschleppen.
Für Nutzer gibt es drei realistische Wege. Sie können in Chrome auf Manifest-V3-Erweiterungen wechseln. Sie können prüfen, ob ein anderer Browser die benötigte Erweiterungsfunktion weiter unterstützt. Oder sie können zusätzliche Schutzmechanismen außerhalb des Browsers nutzen, etwa DNS-Filter, Netzwerkfilter oder systemweite Sicherheitssoftware. Keine dieser Lösungen ist ein vollständiger Eins-zu-eins-Ersatz für jedes alte Manifest-V2-Setup.
Chrome 151 markiert damit den praktischen Schlussstrich unter Manifest V2 in Googles Browser. Die Plattform war schon vorher offiziell deaktiviert. Neu ist, dass auch die letzten technischen Rückwege verschwinden. Wer alte Erweiterungen weiter nutzen wollte, verliert damit den Rest an Spielraum innerhalb von Chrome.