Eleven Peaks Ltd fordert in Malta rund 66 Millionen Euro in einem internationalen Sportwetten-Betrugsfall. Die maltesische Gesellschaft macht schwere Betrugsvorwürfe, Fahrlässigkeit und Pflichtverletzungen gegen 46 Personen und Firmen geltend. Im Mittelpunkt stehen angebliche Schatten-Direktoren, nicht autorisierte Geldtransfers, GPG-Gesellschaften und ein türkischer Sportwettenbroker namens Brokerstarz. Die Vorwürfe beruhen auf einem gerichtlichen Hinweis und sind bislang nicht gerichtlich bewiesen.
Eleven Peaks nimmt 46 Personen und Firmen ins Visier
Der Fall wurde durch einen gerichtlichen Hinweis öffentlich, der nach einem Dekret der First Hall of the Civil Court in Malta veröffentlicht wurde. Eleven Peaks Ltd will damit nach Angaben von Newsbook Malta rund 66 Millionen Euro zurückholen. Die Adressaten sitzen in Malta, der Schweiz, der Türkei und Costa Rica.
Für die Glücksspiel-Regulierung ist der Vorgang relevant, weil er Sportwetten, Finanzstrukturen, Treuhandkonstruktionen und mutmaßlich nicht autorisierte Transfers verbindet. Es geht nicht um gewöhnliche Spielerverluste. Der Fall betrifft ein Anlagekonstrukt, das angeblich über Sportwetten-Algorithmen Gewinne erzielen sollte.
Eleven Peaks ist laut gerichtlichem Dokument zu 99,84 Prozent im Besitz von Special Themes SCC Ltd, einer maltesischen Securitisation Cell Company, für die Alto Data Research Cell. Die Klägerseite behauptet, Karlheinz Haunschild, Giancarlo Tottoli, Gregor Guggisberg und Frank Schubert hätten faktisch Kontrolle über Investitionen und Bankkonten von Eleven Peaks ausgeübt. Haunschild und Tottoli sollen gleichzeitig die GPG Group kontrolliert haben.
Der Investmentansatz soll auf Wetten auf Sportereignisse beruht haben. Diese Wetten sollten laut Bericht über den türkischen Broker Brokerstarz platziert werden. Die Auswahl der Wetten sollte über algorithmische Software erfolgen, die drei Wissenschaftlern aus dem Umfeld des International Centre for Sports Studies in der Schweiz zugeschrieben wird. Einer der genannten Beteiligten, Tottoli, saß laut Newsbook Malta zudem im Board der inzwischen liquidierten Sports Research Team SA.
Die zentralen Vorwürfe lauten:
- Eleven Peaks wirft den Empfängern Betrug, Fahrlässigkeit und Pflichtverletzungen vor.
- 46 Personen und Firmen wurden im gerichtlichen Hinweis adressiert.
- GPG-Gesellschaften sollen hohe Zahlungen ohne ausreichende Belege erhalten haben.
- türkische Unternehmen sollen weitere Millionenbeträge bekommen haben.
- Brokerstarz steht als angeblicher Sportwettenbroker im Mittelpunkt des Konstrukts.
- 66 Millionen Euro werden gesamtschuldnerisch plus Kosten und Zinsen verlangt.
| Punkt | Angabe aus dem Verfahren | Einordnung |
|---|---|---|
| Klägerin | Eleven Peaks Ltd | maltesische Gesellschaft |
| Forderung | rund 66 Millionen Euro plus Kosten und Zinsen | noch keine gerichtlich bestätigte Summe |
| Adressaten | 46 Personen und Unternehmen | internationaler Empfängerkreis |
| Zeitraum | Oktober 2021 bis Mai 2024 bei einem Teil der Transfers | betrifft Zahlungen an GPG-Gesellschaften |
| Kernvorwurf | Betrug, Fahrlässigkeit und Pflichtverletzungen | Vorwürfe bislang nicht bewiesen |
| Länderbezug | Malta, Schweiz, Türkei und Costa Rica | erschwert Rückholung und Beweisführung |
Besonders konkret sind die genannten Zahlungsströme. Zwischen Oktober 2021 und Mai 2024 sollen fast 27 Millionen Schweizer Franken und 1,9 Millionen Euro an verschiedene GPG-Gesellschaften geflossen sein. Newsbook Malta berichtet, diese Zahlungen seien nach Darstellung von Eleven Peaks größtenteils über Online-Banking durch Haunschild ausgeführt worden, gestützt auf eine Vollmacht und ohne ausreichende Dokumentation.
Zusätzlich sollen 7,846 Millionen Euro an türkische Unternehmen geflossen sein. Diese Zahlungen sollen auf Anweisungen von Haunschild und Guggisberg zurückgehen. Eleven Peaks behauptet außerdem, Empfänger hätten später versucht, die Transfers nachträglich zu legitimieren. Genannt werden angebliche Forderungsabtretungen über mehr als 45 Millionen Schweizer Franken und eine Vereinbarung vom 24. Mai 2024, die abgeflossene Gelder als Darlehensrückzahlungen darstellen sollte.
Der Fall soll sich nach Berichten aus der türkischen Online-Presse zugespitzt haben. Dort war von Polizeirazzien, Festnahmen und eingefrorenen Konten rund um Brokerstarz die Rede. Eleven Peaks verlangte laut Bericht daraufhin die sofortige Auszahlung seiner Bestände. Nach Darstellung der Klägerseite erfolgte bis heute keine Rückzahlung und kein Zugriff auf die Mittel.
Der Fall reicht über Malta hinaus
Der maltesische Anspruch ist Teil eines größeren internationalen Konflikts rund um Sportwetten, Fondsstrukturen und angebliche Rückzahlungsprobleme. The Tribune berichtete bereits 2025 über einen Bahama-Fonds mit einem Nettoinventarwert von 113,129 Millionen Dollar per Ende Juni 2024. Die Securities Commission of The Bahamas beantragte damals eine gerichtliche Abwicklung, nachdem Investoren Rückzahlungsprobleme und mögliche strafrechtliche Fragen gemeldet hatten.
In dem Bahama-Verfahren tauchten ebenfalls Sportwetten-Algorithmen, Brokerstarz, GPG Sports und Vorwürfe rund um ein angebliches illegales Glücksspielsyndikat auf. Der Bahama-Bericht nennt aber einen anderen Verfahrensrahmen. Er belegt deshalb nicht automatisch die maltesischen Forderungen von Eleven Peaks. Er zeigt vor allem, dass die aktuellen Vorwürfe in ein breiteres Muster von Streitigkeiten um dieselben oder ähnliche Strukturen fallen.
Für die weitere Bewertung sind vier Punkte entscheidend:
- Beweisführung: Eleven Peaks muss Zahlungswege, Vollmachten, Empfängerrollen und Pflichtverletzungen belegen.
- Zuständigkeit: Der Adressatenkreis verteilt sich auf mehrere Staaten. Das kann Verfahren und Vollstreckung erschweren.
- Brokerstarz-Komplex: Die behaupteten türkischen Ereignisse bleiben ein zentraler Knotenpunkt, brauchen aber belastbare gerichtliche Klärung.
- Rückholung: Selbst ein erfolgreicher Anspruch garantiert noch keine schnelle Wiederbeschaffung der Gelder.
Der Fall zeigt auch, wie riskant Sportwetten-basierte Investmentmodelle werden können. Anleger oder Gesellschaften setzen dabei nicht selbst einzelne Wetten wie normale Kunden. Sie vertrauen auf Modelle, Broker, Zahlungswege, Datenquellen und Personen mit Kontozugriff. Sobald Kontrolle, Nachweise oder Verwahrung unklar werden, entsteht ein Risiko, das weit über die Trefferquote eines Algorithmus hinausgeht.
| Risikofeld | Problem im aktuellen Fall | Mögliche Folge |
|---|---|---|
| Kontrolle über Bankkonten | angebliche Vollmachten und Schattenleitung | unklare Verantwortlichkeit |
| Dokumentation | Zahlungen laut Klägerin ohne ausreichende Belege | erschwerte Prüfung der Mittelverwendung |
| Sportwettenbroker | Brokerstarz als zentraler Ausführungspunkt | Abhängigkeit von nicht transparentem Drittanbieter |
| internationale Empfänger | Empfänger in vier Staaten | komplexe Rückforderung und Vollstreckung |
| nachträgliche Verträge | spätere Abtretungen und Darlehensdarstellung | Streit über rechtliche Einordnung der Transfers |
Für die Glücksspielbranche ist der Reputationsschaden beträchtlich, auch wenn die Vorwürfe erst bewiesen werden müssen. Der Fall berührt Themen, die Aufsichtsbehörden in Europa seit Jahren schärfer prüfen: wirtschaftlich Berechtigte, Interessenkonflikte, Zahlungsflüsse, Vermittlerrollen und Offshore-Strukturen. Die MGA-Prüfung zu Governance-Schwächen zeigt, warum solche Kontrollfragen für Malta besonders sensibel bleiben.
Der internationale Charakter erinnert außerdem an andere Glücksspielkomplexe mit vielen Zwischenstationen. Beim iranischen Glücksspielnetzwerk um Shelbit standen ebenfalls Zahlungswege, Betreiberstrukturen und internationale Zuordnung im Mittelpunkt. Der Eleven-Peaks-Fall ist anders gelagert, zeigt aber denselben Grundkonflikt: Je mehr Firmen, Länder und Zahlungswege beteiligt sind, desto schwieriger wird klare Verantwortung.
Ein Urteil liegt bislang nicht vor. Eleven Peaks hat die Empfänger formal aufgefordert, Beweismittel zu sichern, und behält sich Verfahren in Malta, der Schweiz oder anderen zuständigen Ländern vor. Damit beginnt nun die juristische Aufarbeitung. Entscheidend wird, ob die Klägerin die behaupteten Transfers, die Rolle der angeblichen Schatten-Direktoren und den Zusammenhang mit Brokerstarz vor Gericht nachweisen kann.