Anthropic bereitet Investoren auf einen möglichen Börsengang im September oder Anfang Oktober 2026 vor. Nach einem aktuellen Bericht des Wall Street Journal führt der Claude-Entwickler Gespräche mit potenziellen Investoren und stellt dabei sein starkes Wachstum sowie den Erfolg von Claude Code heraus. Einen festen IPO-Termin hat Anthropic bislang nicht bestätigt. Das Unternehmen besitzt seit Juni jedoch die formale Grundlage für einen Börsengang und wurde zuletzt mit 965 Milliarden US-Dollar bewertet.
Der mögliche Börsengang wäre einer der größten Schritte der bisherigen KI-Branche an den öffentlichen Kapitalmarkt. Anthropic hat am 1. Juni vertraulich einen Entwurf des Registrierungsformulars S-1 bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Das Unternehmen erklärte damals ausdrücklich, der Schritt eröffne lediglich die Möglichkeit für einen IPO. Zeitpunkt, Anzahl der angebotenen Aktien und Ausgabepreis stehen weiterhin nicht fest.
Claude Code soll Investoren von Anthropics Wachstum überzeugen
Im Mittelpunkt der aktuellen Investorengespräche steht offenbar besonders Claude Code. Der Coding-Agent entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit zu einem wichtigen Produkt für Anthropic. Das Unternehmen veröffentlichte Claude Code im Mai 2025 allgemein. Im Februar 2026 lag der Revenue-Run-Rate des Produkts bereits bei mehr als 2,5 Milliarden Dollar. Dieser Wert hatte sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt. Gleichzeitig hatte sich die Zahl der wöchentlich aktiven Nutzer seit dem 1. Januar verdoppelt.
Anthropic meldete damals zudem ein starkes Wachstum im Geschäft mit Firmenkunden. Mehr als 500 Kunden gaben auf annualisierter Basis mindestens eine Million Dollar pro Jahr aus. Acht der zehn größten US-Unternehmen nach Fortune-Rangliste nutzten Claude. Mehr als die Hälfte des Claude-Code-Umsatzes kam bereits aus dem Enterprise-Bereich. Diese Positionierung als Werkzeug für Entwickler und Unternehmen dürfte für potenzielle Börseninvestoren besonders relevant sein.
Die Entwicklung ging danach noch schneller weiter. Im Februar meldete Anthropic für das Gesamtunternehmen einen Revenue-Run-Rate von 14 Milliarden Dollar. Anfang April lag der Wert bereits über 30 Milliarden Dollar. Im Mai überschritt er nach Unternehmensangaben 47 Milliarden Dollar. Die jüngste offizielle Zahl stammt aus der Series-H-Finanzierungsrunde vom 28. Mai.
| Kennzahl | Stand | Einordnung |
|---|---|---|
| Private Bewertung | 965 Mrd. US-Dollar | Series H vom Mai 2026 |
| Letzte Finanzierungsrunde | 65 Mrd. US-Dollar | Anthropics bisher größte Finanzierungsrunde |
| Anthropic Revenue-Run-Rate | mehr als 47 Mrd. US-Dollar | offizieller Stand aus Mai 2026 |
| Claude Code Revenue-Run-Rate | mehr als 2,5 Mrd. US-Dollar | offizieller Stand aus Februar 2026 |
| Vertraulicher S-1-Entwurf | 1. Juni 2026 | von Anthropic bestätigt |
| Mögliches IPO-Fenster | September oder Anfang Oktober 2026 | laut WSJ, von Anthropic nicht bestätigt |
Beim Revenue-Run-Rate handelt es sich nicht um bereits erzielten Jahresumsatz. Die Kennzahl annualisiert das aktuelle Umsatztempo. Ein Run-Rate von 47 Milliarden Dollar bedeutet deshalb nicht, dass Anthropic im Geschäftsjahr 2026 bereits 47 Milliarden Dollar Umsatz verbucht hat. Für Investoren zeigt der Wert vor allem die Geschwindigkeit des aktuellen Geschäfts.
Auch die Bewertung ist innerhalb weniger Monate stark gestiegen. Anthropic sammelte im Februar noch 30 Milliarden Dollar bei einer Post-Money-Bewertung von 380 Milliarden Dollar ein. Ende Mai folgte eine Series-H-Runde über 65 Milliarden Dollar. Die Bewertung sprang dabei auf 965 Milliarden Dollar. Amazon, Google und weitere Infrastrukturpartner spielen parallel eine wichtige Rolle beim Ausbau der benötigten Rechenleistung.
Das Produktportfolio wächst gleichzeitig weiter. Mit Claude Sonnet 5 als Agentenmodell hat Anthropic seine Position bei Coding und automatisierten Arbeitsabläufen weiter ausgebaut. Claude Code ist dabei mehr als ein klassischer Programmierassistent. Das System kann größere Aufgaben planen, Dateien verändern, Befehle ausführen und über längere Arbeitsabläufe hinweg agieren.
IPO ist noch nicht sicher: Investoren prüfen Risiken genauer
Die aktuelle Gesprächsrunde bedeutet noch keine endgültige Entscheidung für einen Börsenstart im September. Laut dem Wall Street Journal wollen potenzielle Investoren inzwischen genauer wissen, wie Anthropic auf mehrere Risiken reagieren will. Dazu zählen günstigere KI-Modelle aus China, politische Spannungen in den USA und wachsender Widerstand gegen den massiven Ausbau von Rechenzentren.
- IPO-Termin: September oder Anfang Oktober wird berichtet, ist aber nicht offiziell bestätigt.
- Bewertung: Anthropic erreichte im Mai eine private Post-Money-Bewertung von 965 Milliarden Dollar.
- Wachstum: Der offizielle Revenue-Run-Rate überschritt im Mai 47 Milliarden Dollar.
- Claude Code: Das Coding-Produkt gilt als wichtiger Wachstumstreiber im Unternehmensgeschäft.
- Risiken: Konkurrenz, Infrastrukturkosten, politische Konflikte und die hohe Bewertung spielen bei Investorengesprächen eine zentrale Rolle.
Hinzu kommen die hohen Kosten für Rechenleistung. Anthropic baut seine Kapazitäten mit mehreren großen Infrastrukturpartnern aus. Im Frühjahr vereinbarte das Unternehmen zusätzliche Kapazitäten mit Amazon sowie Google und Broadcom. Später kam eine Vereinbarung mit SpaceX hinzu. Die hohen Ausgaben für Training und Betrieb neuer Claude-Modelle machen den Zugang zu neuem Kapital für Anthropic strategisch wichtig.
Auch Sicherheitsfragen dürften bei einem Börsengang stärker in den Fokus rücken. Anthropic veröffentlicht regelmäßig Ergebnisse eigener Tests mit leistungsfähigen Agenten. Ende Juli machte das Unternehmen beispielsweise Details zu Cybersecurity-Tests mit drei realen Unternehmen öffentlich. Solche Fähigkeiten erhöhen den wirtschaftlichen Nutzen von Claude, schaffen aber zugleich neue Anforderungen an Kontrolle und Risikomanagement.
Der nächste entscheidende Schritt liegt deshalb nicht bei einem neuen Claude-Modell, sondern bei der SEC und den Kapitalmärkten. Anthropics vertraulicher S-1-Entwurf befindet sich bereits im Prüfprozess. Das Unternehmen kann einen öffentlichen Börsenprospekt veröffentlichen, sobald die Voraussetzungen erfüllt sind. Ob daraus tatsächlich schon im September oder Anfang Oktober ein Börsenstart wird, hängt laut Anthropic weiterhin von der SEC-Prüfung, den Marktbedingungen und weiteren Faktoren ab.