Hamburg fordert Verbot von Smart Glasses in Bädern und Bahnen

Hamburg will Smart Glasses mit betriebsbereiter Kamera- oder Aufnahmefunktion in sensiblen Bereichen untersagen. Die rot-grüne Koalition fordert entsprechende Regeln für städtische Bäder, Saunen, Busse, Bahnen und zugangsbeschränkte HVV-Stationsbereiche. Die Hamburgische Bürgerschaft entscheidet heute, am 2. September 2026, über den Zusatzantrag. Hintergrund ist die Sorge vor heimlichen Foto-, Video- und Tonaufnahmen im Alltag.

Die Initiative richtet sich gegen tragbare Geräte mit integrierten Aufnahmefunktionen. Dazu zählen Smart Glasses und vergleichbare Wearables. Besonders geschützt werden sollen Bade- und Ruhebereiche, Liegewiesen, Umkleiden, Duschen, Sanitäranlagen und Saunen. Im Bereich Hardware mit Kamera- und KI-Funktionen zeigt der Vorstoß, wie stark kleine Aufnahmegeräte inzwischen in Datenschutz- und Hausordnungsfragen hineinwirken.

Hamburg will Smart Glasses in Bäderland und HVV ausschließen

Der rot-grüne Zusatzantrag sieht zwei praktische Hebel vor. Für die städtische Bäderland GmbH sollen passende Regeln in der Haus- und Badeordnung sichergestellt werden. Für den öffentlichen Nahverkehr sollen die Beförderungsbedingungen angepasst werden. Damit würden Smart Glasses mit aktiver Kamera- oder Aufnahmefunktion nicht nur in Umkleiden und Duschen problematisch. Auch Busse, Bahnen und bestimmte Stationsbereiche im HVV stünden unter einer klareren Nutzungsregel.

Der Antrag zielt nicht auf normale Brillen oder medizinische Sehhilfen. Ausnahmen sollen für medizinisch notwendige oder behinderungsbedingt erforderliche Sehhilfen möglich bleiben. Entscheidend ist die betriebsbereite Aufnahmefunktion. Hamburg will also nicht die Korrektur einer Sehschwäche verbieten, sondern das unauffällige Filmen oder Fotografieren in Bereichen mit besonderem Schutzbedarf verhindern.

BereichGeplante RegelWarum sensibel
SchwimmbäderSmart Glasses mit Aufnahmefunktion ausschließenViele Menschen tragen Badebekleidung
Umkleiden und DuschenNutzung ausdrücklich untersagenHoher Schutz der Intimsphäre
Saunen und SanitäranlagenStreng geschützte Bereiche einbeziehenBesonders privater Nutzungskontext
Liegewiesen und RuhebereicheAufnahmegeräte klar regulierenHeimliche Aufnahmen schwer erkennbar
Busse und BahnenBeförderungsbedingungen anpassenEnge Räume und viele unbeteiligte Personen
Zugangsbeschränkte HVV-StationenHVV-Regeln erweiternSchwierige Kontrolle im Alltag

Die Begründung liegt in der Bauform aktueller Smart Glasses. Viele Modelle sehen normalen Brillen sehr ähnlich. Eine Kamera, ein Mikrofon und KI-Funktionen fallen Außenstehenden oft nicht sofort auf. Bei Smartphones ist eine Aufnahme meist sichtbarer, weil das Gerät in der Hand gehalten und ausgerichtet wird. Bei Smart Glasses kann die Blickrichtung bereits die Kamerarichtung sein. Genau dieser Punkt verändert die soziale Wahrnehmung von Aufnahmen im öffentlichen Raum.

Hamburg verweist zudem auf einen konkreten Fall am Alsterufer. Eine Frau wurde demnach während eines Gesprächs unbemerkt mit Smart Glasses gefilmt. Später fand sie sich in einem vielfach aufgerufenen TikTok-Video wieder. Für die Politik ist dieser Fall ein Beispiel für ein Problem, das nicht mehr theoretisch wirkt. Die Technik ist klein, alltagstauglich und kann Inhalte schnell in soziale Netzwerke bringen.

  • Bäderland: Haus- und Badeordnungen sollen klare Verbote enthalten.
  • HVV: Beförderungsbedingungen sollen Smart Glasses mit Aufnahmefunktion erfassen.
  • Bundesebene: Hamburg will strengere Vorgaben für erkennbare Aufnahmen anstoßen.
  • Gesichtserkennung: Private Nutzung im öffentlichen Raum soll klare Grenzen bekommen.
  • Ausnahmen: Medizinische und behinderungsbedingt notwendige Sehhilfen sollen möglich bleiben.
  • Information: Eine Kampagne soll über Privatsphäre und neue Regeln aufklären.

Datenschützer sehen heimliche Aufnahmen als reales Risiko

Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte hatte das Thema bereits im Sommer aufgegriffen. Seine Behörde erhält nach eigenen Angaben immer wieder Hinweise auf heimliche Foto- und Videoaufnahmen, besonders von Frauen. Das betrifft Mobiltelefone, aber auch Smart Glasses mit integrierter Kamera. Die Behörde betont: Niemand muss gezielte Aufnahmen ohne Zustimmung hinnehmen. Das Recht auf Privatsphäre gilt auch im öffentlichen Raum.

Gerade in Bädern ist die Lage besonders klar. Bäderland untersagt bereits jetzt Verstöße gegen das Persönlichkeitsrecht. Wer fremde Personen fotografiert oder filmt, riskiert ein Hausverbot. Die geplante Regel würde diese Praxis auf Smart Glasses zuspitzen. Für Personal und Besucher entstünde eine deutlichere Linie: Eine Brille mit aktiver Kamera gehört in sensiblen Bereichen nicht auf die Nase.

Die Debatte reicht über Hamburg hinaus. SPD und Grüne wollen den Senat dazu bringen, sich auf Bundesebene für strengere Regeln einzusetzen. Im Zentrum stehen manipulationssichere und eindeutig erkennbare Aufnahmesignale. Ein kleines Lämpchen an einer Brillenfassung reicht Datenschützern oft nicht aus. Außenstehende müssen zuverlässig erkennen können, wann eine Aufnahme läuft. Sonst fehlt die praktische Möglichkeit, zu widersprechen oder den Bereich zu verlassen.

Ein zweiter Punkt betrifft Gesichtserkennung. Smart Glasses können Kamera, Mikrofon, KI-Dienste und soziale Plattformen verbinden. Dadurch entsteht ein anderes Risiko als bei einer klassischen Kamera. Aufnahmen können analysiert, transkribiert, markiert und weiterverbreitet werden. Hamburg will deshalb auch gegen private Gesichtserkennungssoftware im öffentlichen Raum vorgehen. Die Forderung richtet sich nicht nur gegen einzelne Modelle, sondern gegen eine mögliche Nutzungskultur.

Für Hardware-Hersteller ist die Entwicklung ein Warnsignal. Kamera-Wearables werden leistungsfähiger, unauffälliger und stärker mit KI-Funktionen verknüpft. Der Markt bewegt sich nicht nur bei Brillen. Auch neue Kamera-Hardware in Wearables zeigt, dass Sensoren näher an den Körper und in Alltagssituationen rücken. Je unauffälliger solche Technik wird, desto stärker wächst der Druck auf Regeln für sichtbare Aufnahmehinweise.

Für Besucher von Bädern und Nutzer des HVV ändert sich zunächst erst etwas, wenn die zuständigen Regeln tatsächlich angepasst werden. Die politische Richtung ist aber klar. Hamburg will Smart Glasses nicht pauschal aus dem Stadtbild verbannen. In Bereichen mit hoher Privatsphäre sollen Aufnahmefunktionen aber ausdrücklich ausgeschlossen werden. Nach der Bürgerschaftssitzung wird entscheidend, wie schnell Bäderland und HVV ihre Ordnungen und Beförderungsbedingungen anpassen.