Audacity 4.0 ist da: neues Projektformat und ASIO in Windows-Builds

Audacity 4.0.0 ist erschienen und bringt dem freien Audioeditor eines der größten Updates der letzten Jahre. Die neue Version ersetzt große Teile der Oberfläche durch eine Qt-basierte Benutzeroberfläche, führt das neue Projektformat .aup4 ein und liefert erstmals ASIO-Unterstützung in offiziellen Windows-Builds. Audacity 4.0.0 steht für Windows, macOS und Linux bereit. Für Nutzer mit älteren Projekten ist die neue Formatlogik der wichtigste Punkt vor dem Update.

Audacity bleibt kostenlos und quelloffen. Die Entwickler sprechen von einem Umbau für alltägliche Audioarbeit, Podcasts, Musik, Restaurierung und Videoton. Im Bereich freie Software für Audio und Produktivität fällt Audacity 4.0 besonders auf, weil nicht nur einzelne Werkzeuge neu dazukommen. Das Programm verändert Bedienung, Projektverwaltung, Clip-Editing und Geräteauswahl zugleich.

Audacity 4.0 bringt .aup4 und konvertiert alte Projekte

Das neue .aup4-Projektformat ersetzt .aup3 als aktuelles Speicherformat. Audacity 4 kann bestehende .aup3-Projekte öffnen und in .aup4 umwandeln. Die ursprüngliche .aup3-Datei bleibt dabei unverändert. Nach der Konvertierung lässt sich das Projekt aber nicht wieder als .aup3 speichern. Dieser Punkt ist wichtig für Nutzer, die parallel mit Audacity 3 und Audacity 4 arbeiten oder Projekte mit anderen Personen austauschen.

Ältere .aup-Projekte lassen sich laut Release Notes weiterhin importieren. Das hilft bei sehr alten Archiven aus Audacity 2 und früheren Versionen. Die neue Projektdatei speichert zusätzlich Vorschaubilder sowie neue Clip- und Darstellungsdaten aus Audacity 4. Damit verknüpft das Format nicht nur Audiodaten, sondern auch die neue Arbeitsoberfläche stärker mit dem Projektzustand.

BereichNeuerung in Audacity 4.0Wichtig für Nutzer
Projektformat.aup4 ersetzt .aup3 als aktuelles FormatVor dem Speichern Sicherung anlegen
Audacity-3-Projekte.aup3 öffnet und konvertiert zu .aup4Kein Zurückspeichern nach .aup3
Ältere Projekte.aup kann importiert werdenAlte Archive bleiben erreichbar
Windows-AudioOffizielle Builds enthalten ASIO-Wiedergabe und -AufnahmeKein eigener ASIO-Build mehr nötig
OberflächeOberfläche basiert auf QtBedienung ändert sich deutlich
PluginsVST3, Nyquist, LV2 unter Linux und Audio Units unter macOSEinige ältere Plugin-Hosts fehlen in 4.0

Die Oberfläche wurde neu aufgebaut. Toolbars und Panels lassen sich verschieben, andocken, frei platzieren, einblenden und ausblenden. Audacity 4 enthält zudem Workspaces, darunter Modern, Classic und Music. Helle, dunkle und kontrastreiche Designs stehen bereit. Zusätzlich können Nutzer Akzentfarben, Track-Farben und Clip-Darstellungen anpassen. Das soll Audacity moderner wirken lassen, verändert aber auch Gewohnheiten aus Audacity 3.

Das Clip-Editing wurde ebenfalls überarbeitet. Clips lassen sich direkt auswählen, gemeinsam bewegen, trimmen, time-stretchen und gruppieren. Audacity kann Clips freier zwischen Mono- und Stereo-Tracks platzieren. Beim Verschieben über einen anderen Clip wird der überlappte Bereich ersetzt, statt den Vorgang zu blockieren. Das Splitting erhält eine eigene Bedienlogik über die Taste S. Zusätzlich kommen Ausrichtungshilfen, Sample-Boundary-Snapping und neue Snap-Einstellungen pro Projekt hinzu.

  • .aup4 ist das neue Projektformat für Audacity 4.
  • .aup3 wird geöffnet und konvertiert, aber nicht als Zielformat gespeichert.
  • .aup aus älteren Audacity-Versionen kann importiert werden.
  • Qt bildet die neue technische Grundlage der Oberfläche.
  • Workspaces speichern unterschiedliche Layouts für verschiedene Arbeitsweisen.
  • Clip-Editing wird direkter, flexibler und stärker an moderne Audio-Editoren angelehnt.

ASIO in Windows-Builds ist der größte praktische Sprung

Für Windows-Nutzer ist ASIO die auffälligste Änderung. Offizielle Windows-Builds von Audacity 4 enthalten ASIO-Wiedergabe und ASIO-Aufnahme. Bislang mussten Nutzer mit ASIO-Bedarf Audacity selbst mit dem Steinberg ASIO SDK kompilieren. Diese Hürde entfällt mit Version 4.0 für die offiziellen Windows-Pakete. Musiker, Podcaster und Nutzer externer Audiointerfaces profitieren dadurch besonders.

ASIO kann niedrigere Latenzen und einen direkteren Zugriff auf Audiointerfaces ermöglichen. Das ist bei Aufnahme, Monitoring und Mehrkanal-Setups wichtig. Audacity bleibt aber auch mit Version 4 kein vollständiger Ersatz für eine professionelle DAW. Das Programm richtet sich weiter stark an Aufnahme, Schnitt, Restaurierung, einfache Musikarbeit, Podcast-Produktion und Audiobearbeitung für Video. Die neue ASIO-Unterstützung senkt dennoch eine alte Einstiegshürde für Windows-Anwender mit Studiogeräten.

Auch die Geräteverwaltung wurde modernisiert. Audio Setup enthält nun Systemstandardgeräte, aktualisierbare Gerätelisten und eigenes Channel-Mapping. Audacity kann Änderungen der Betriebssystemgeräte automatisch verfolgen. Track-Header zeigen außerdem Live-Meter für Wiedergabe und Aufnahme. Punch and Roll, Lead-in Recording, Latenzkompensation, Software-Playthrough und Input Monitoring wurden für die neue Oberfläche neu aufgebaut.

Bei Effekten und Plugins gibt es Licht und Schatten. Die eingebauten Effekte, Generatoren und Analysewerkzeuge wurden für die neue Qt-Oberfläche neu gebaut. Presets verhalten sich konsistenter über eingebaute, destruktive und Echtzeiteffekte hinweg. Unterstützte Plugin-Formate sind VST3, Nyquist, LV2 unter Linux und Audio Units unter macOS. Wenn ein Plugin keine eigene Oberfläche bereitstellt, kann Audacity generierte Bedienelemente anzeigen.

Gleichzeitig fehlen in Audacity 4.0 einige Funktionen aus Audacity 3. Die Entwickler nennen Time Tracks, Note- und MIDI-Tracks, Mixer, Macro Manager, die Scripting Pipe, VAMP und LADSPA Plugin Hosting sowie Play-at-speed. Diese Funktionen sollen später teilweise zurückkehren. Sync-Lock und die alten Tool-Modi wurden nicht einfach übernommen. Audacity ersetzt sie durch neue Workflows.

Das macht Audacity 4.0 zu einem Update mit klarer Vorbereitungspflicht. Nutzer sollten wichtige Projekte vor dem ersten Öffnen sichern, besonders bei laufenden Produktionen. Wer Makros, Scripting, MIDI-Spuren, LADSPA-Plugins oder Time Tracks nutzt, sollte Audacity 4 zunächst parallel testen. Wer vor allem schneidet, aufnimmt, mit Clips arbeitet oder unter Windows ASIO benötigt, erhält dagegen einen deutlich moderneren Editor.

Audacity 4.0.0 ist damit weniger ein Wartungsupdate als ein Plattformwechsel. Die neue Oberfläche, .aup4, ASIO in offiziellen Windows-Builds und das überarbeitete Clip-Modell machen den Audioeditor zukunftsfähiger. Der Preis dafür sind veränderte Arbeitsabläufe und einige fehlende Audacity-3-Funktionen zum Start. Für produktive Projekte bleibt deshalb die einfache Regel: erst Backup erstellen, dann Audacity 4 öffnen und die wichtigsten Workflows prüfen.