Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) hat auf dem Online-Gaming Summit Europe 2025 eine klare Haltung gezeigt: Bevor Deutschland die Online-Regulierung endgültig als Erfolg oder Misserfolg bewertet, müsse zuerst die Datenbasis stimmen. Das ist auch politisch relevant, weil der Glücksspielstaatsvertrag 2021 bis 2028 läuft und ab 2026 eine offizielle Zwischen-Evaluierung ansteht.
Die GGL ist als bundesweite Online-Aufsicht noch vergleichsweise jung: In ihrer heutigen Form ist sie erst seit wenigen Jahren aktiv und seit 2023 zentral zuständig für länderübergreifendes Online-Glücksspiel von Lizenzvergabe über Aufsicht und Schwarzmarkt-Bekämpfung bis zur Kontrolle von Spielerschutzinstrumenten.
Damit das funktioniert, baut die Behörde auf große technische Systeme: etwa LUGAS, über das pseudonymisierte Daten verarbeitet werden (zum Beispiel für Einzahlungslimits und Parallelspiel Kontrollen), und sogenannte Safe Server, auf denen Anbieter umfangreiche Spieldaten speichern, die später ausgewertet werden können. Angebote, die nicht an dieses System angebunden sind etwa Online Casinos ohne OASIS tauchen in diesen Auswertungen naturgemäß nicht auf. Die Dimension ist groß: Laut GGL laufen darüber bereits Millionen Abfragen und mehr als eine Milliarde Einzelereignisse pro Jahr.
Vorstand Ronald Benter machte deutlich, warum man sich mit großen Marktberichten derzeit zurückhält: Die Systeme laufen zwar, sind aber noch in einer Reifephase. Daten müssen vollständig, korrekt und einheitlich ankommen Übertragungsfehler und Lücken sollen Schritt für Schritt verschwinden. Erst dann lassen sich Trends wirklich sauber interpretieren. Die Idee dahinter: Halbgarer Zahlen können Debatten verzerren und am Ende zu politischen Entscheidungen führen, die weder dem Spielerschutz noch dem legalen Markt helfen.
Auch für Anbieter ist das auf Dauer nicht unbedingt schlecht: Verlässliche Daten schaffen Planungssicherheit, ermöglichen faire Vergleiche zwischen legalem und illegalem Markt und sorgen dafür, dass Diskussionen weniger von Einzelbeispielen oder Stimmungslagen getrieben werden.
Trotzdem sagt die GGL: Ganz ohne Zwischenbild ist man nicht. Der regulierte Markt wirke derzeit stabil, ein Großteil des Online-Glücksspiels finde in lizenzierten Angeboten statt, und technische Systeme würden helfen, Verstöße früher zu erkennen. Gleichzeitig gebe es weiterhin Hinweise auf einen relevanten Schwarzmarkt also: Wirkung ja, aber noch nicht „fertig“.
Ab 2026 wird die Evaluierung zum politischen Stresstest. Dann geht es unter anderem um die Wirksamkeit von Schutzinstrumenten (Limits, Sperrsystem, 5-Sekunden-Regel bei virtuellen Automatenspielen), um den Einfluss von Werbung und um die zentrale Frage der Kanalisierung: Wie gut werden Spieler:innen in legale Angebote gelenkt und wie groß bleibt der illegale Anteil?
Mehr Tiefe erwartet die Behörde ab etwa 2027, wenn Safe-Server-Auswertungen stärker genutzt werden sollen. Ziel ist eine Regulierung, die Spielerschutz konsequent umsetzt, gleichzeitig einen tragfähigen legalen Markt ermöglicht und illegale Angebote Schritt für Schritt weniger attraktiv macht.