Evoke, der Eigentümer von William Hill, 888 und Mr Green, spürt die höheren Glücksspielabgaben deutlich im Ergebnis. Der Konzern meldete am 12. August 2026 für das erste Halbjahr einen Umsatz von 887,5 Millionen Pfund. Damit blieb der Umsatz auf berichteter Basis nahezu unverändert. Das bereinigte EBITDA sank dagegen um rund 10 Prozent auf 150,2 Millionen Pfund. Evoke nennt zusätzliche Glücksspielabgaben von 46 Millionen Pfund als wichtigsten Belastungsfaktor.
Die Zahlen zeigen den finanziellen Effekt der neuen Steuerbedingungen auf große Anbieter im britischen Glücksspielmarkt. Vor allem die höheren Abgaben in Großbritannien belasteten Evoke seit April. Zusätzliche Effekte kamen aus Rumänien und Italien. Gleichzeitig entwickelte sich das britische Online-Geschäft deutlich besser als das Konzernergebnis.
William Hill wächst online, höhere Abgaben drücken das EBITDA
Der Konzernumsatz lag mit 887,5 Millionen Pfund nur knapp unter den 887,8 Millionen Pfund aus dem ersten Halbjahr 2025. Bereinigt um das verkleinerte Filialnetz errechnet Evoke ein Umsatzwachstum von 2 Prozent.
Deutlich größer fällt die Veränderung beim Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen aus. Das bereinigte EBITDA sank von 165,9 auf 150,2 Millionen Pfund. Das entspricht einem Rückgang von 9,5 Prozent. Auf berichteter Basis fiel das EBITDA um knapp 12 Prozent auf 124,8 Millionen Pfund.
| Kennzahl | H1 2026 | Veränderung |
|---|---|---|
| Konzernumsatz | 887,5 Mio. £ | Berichtet nahezu unverändert |
| Bereinigtes EBITDA | 150,2 Mio. £ | Minus 9,5 % |
| UK& | 348,1 Mio. £ | Plus 3,5 % |
| I Online Umsatz | Wachstum 6,7 % | Starkes Wachstum durch William Hill |
| UK& | 293,8 Mio. £ | Minus 1,9 % |
| I Online Gaming | 245,6 Mio. £ | Minus 2,6 % berichtet |
| Internationaler Umsatz | ||
| Retail Umsatz |
Der wichtigste Gegenwind kam von den Glücksspielabgaben. Evoke bezifferte den zusätzlichen Aufwand gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 46 Millionen Pfund. Der Großteil entfiel auf Großbritannien. Der Konzern reagierte mit geringeren Marketingausgaben, effizienteren Bonusaktionen und weiteren Kostensenkungen.
Die Marketingkosten sanken von 142,1 Millionen auf 115,8 Millionen Pfund. Evoke konnte nach eigenen Angaben mehr als die Hälfte des zusätzlichen Steueraufwands durch solche Maßnahmen auffangen. Die bereinigte EBITDA-Marge sank dennoch von 18,7 auf 16,9 Prozent.
Das stärkste operative Signal kam aus dem Online-Geschäft in Großbritannien und Irland. UK&I Online steigerte den Umsatz um 3,5 Prozent auf 348,1 Millionen Pfund. Der Gaming-Umsatz wuchs um 6,7 Prozent. William Hill erzielte in diesem Bereich laut Konzern sogar ein zweistelliges Wachstum.
Bei 888 verlief die Entwicklung schwächer. Evoke verfolgt bei der Marke derzeit eine Strategie mit stärkerem Fokus auf Profitabilität und Kundenwert. Weniger rentable Umsätze sollen nicht um jeden Preis gehalten werden. Das drückte den Umsatz von 888, half laut Evoke aber bei der Profitabilität des gesamten UK&I-Onlinegeschäfts.
Das bereinigte EBITDA der Sparte stieg von 60 auf 77 Millionen Pfund. Das entspricht einem Plus von mehr als 28 Prozent. Damit konnte das Online-Geschäft die höheren britischen Abgaben wesentlich besser abfedern als der Gesamtkonzern.
270 weniger Wettshops und Bally’s Intralot Übernahme läuft weiter
Auch das Filialnetz von William Hill hat sich stark verändert. Zum Ende des ersten Halbjahres betrieb Evoke noch 1.024 Wettshops. Ein Jahr zuvor waren es 1.302. Damit lag die Zahl der geöffneten Standorte um rund 270 niedriger.
Evoke schloss allein im Mai ungefähr 200 Shops. Bereits zuvor hatte der Konzern weitere Standorte aufgegeben. Die verbliebenen Filialen entwickelten sich auf vergleichbarer Basis besser. Der Retail-Umsatz stieg dort um 4 Prozent. Auf berichteter Basis sank er wegen des kleineren Filialnetzes jedoch um 2,6 Prozent auf 245,6 Millionen Pfund.
Der Konzern investiert zugleich in die verbleibenden Standorte. Rund 2.000 neue Selbstbedienungsterminals wurden eingeführt. Neue Spielautomaten und Änderungen an den Sportwetten-Terminals sollen die Produktivität des kleineren Filialnetzes erhöhen. Das bereinigte Retail-EBITDA stieg trotz der Schließungen um 5,4 Prozent auf 31,2 Millionen Pfund.
International fiel das Bild gemischt aus. Italien legte beim Umsatz um 21 Prozent zu, Dänemark um 13 Prozent. Schwächere Ergebnisse in Spanien, Rumänien und anderen Märkten drückten den internationalen Umsatz insgesamt um 1,9 Prozent auf 293,8 Millionen Pfund. Höhere Abgaben in Italien und Rumänien belasteten zusätzlich die Profitabilität.
Parallel läuft der Verkauf von Evoke weiter. Der Verwaltungsrat einigte sich bereits am 5. Juni auf die empfohlene Übernahme durch Bally’s Intralot. Die Transaktion benötigt weiterhin die Zustimmung der Aktionäre, der zuständigen Behörden und weiterer Stellen.
Eine wichtige Aktionärsabstimmung ist für den 17. August 2026 angesetzt. Evoke erwartet den Abschluss weiterhin im vierten Quartal 2026 oder im ersten Quartal 2027. Wegen des laufenden Übernahmeverfahrens veröffentlicht der Konzern derzeit keine neue Finanzprognose für das Gesamtjahr.
Die Halbjahreszahlen zeigen damit zwei sehr unterschiedliche Entwicklungen. William Hill wächst im wichtigen britischen Online-Gaming-Geschäft und die verbliebenen Wettshops verbessern ihre Profitabilität. Gleichzeitig verändern die höheren Glücksspielabgaben die Kostenstruktur erheblich. Für Evoke bleibt der Steueranstieg von 46 Millionen Pfund der zentrale Belastungsfaktor, während die geplante Übernahme durch Bally’s Intralot in die entscheidende Phase geht.