Großbritannien will Kommunen deutlich mehr Macht über neue Wettbüros und Adult Gaming Centres geben. Die Regierung plant die Abschaffung der sogenannten „Aim to Permit“ Regel aus dem Gambling Act 2005. Sie erschwert lokalen Behörden bislang die Ablehnung neuer Glücksspielstandorte. Zusätzlich sollen Adult Gaming Centres stärker über das Planungsrecht kontrolliert werden. Die Maßnahmen gehen nun in eine beschleunigte Konsultation und könnten Anfang 2027 greifen.
Für die britische Glücksspielregulierung wäre das eine wichtige Verschiebung. Betreiber brauchen bereits heute eine Betriebserlaubnis der Gambling Commission und eine lokale Genehmigung für konkrete Standorte. Kommunen müssen bei ihren Entscheidungen jedoch das gesetzliche Ziel beachten, Glücksspiel grundsätzlich zu erlauben, sofern die gesetzlichen Lizenzziele erfüllt sind. Genau diese Vorgabe will die Regierung nun streichen.
Damit könnte die Zahl bereits vorhandener Glücksspielgeschäfte in einer Straße stärker ins Gewicht fallen. Lokale Risiken rund um Kinder, vulnerable Personen oder problematische Konzentrationen von Glücksspielangeboten könnten ebenfalls mehr Bedeutung bekommen. Eine pauschale neue Mindestentfernung zwischen Wettbüros und Schulen hat die Regierung bislang allerdings nicht angekündigt.
„Aim to Permit“ soll nach mehr als 20 Jahren verschwinden
Die bisherige Regel stammt aus dem Gambling Act 2005. Abschnitt 153 verpflichtet die zuständigen Behörden dazu, Glücksspiel grundsätzlich zu erlauben, solange ein Antrag mit den Regeln der Gambling Commission, den lokalen Grundsätzen und den drei gesetzlichen Lizenzzielen vereinbar ist.
Diese Ziele betreffen die Verhinderung von Kriminalität, einen fairen und offenen Glücksspielbetrieb sowie den Schutz von Kindern und anderen vulnerablen Personen. Für Kommunen entstand trotzdem eine hohe Hürde bei der Ablehnung neuer Standorte. Die Local Government Association weist darauf hin, dass Entscheidungen gegen zusätzliche Wettbüros wegen bereits bestehender Häufungen in der Vergangenheit teilweise in Berufungsverfahren aufgehoben wurden.
| Bereich | Bisher | Geplante Änderung |
|---|---|---|
| Neue Wettbüros | Kommunen können Anträge nur innerhalb enger gesetzlicher Kriterien ablehnen | Ablehnung bei starken lokalen Bedenken soll leichter werden |
| Aim to Permit | Behörden sollen Glücksspiel grundsätzlich erlauben | Regel soll aus dem Gambling Act gestrichen werden |
| Adult Gaming Centres | Lokale Lizenz und je nach Standort Planungsprüfung erforderlich | Stärkere eigenständige Kontrolle über das Planungsrecht vorgesehen |
| Lokale Häufung | Nur begrenzter Spielraum bei Lizenzentscheidungen | Lokale Konzentration und Risikoprofile gewinnen an Bedeutung |
| Umsetzung | Aktuelle Regeln bleiben zunächst bestehen | Sechs Wochen Konsultation, Ziel Anfang 2027 |
Die Regierung geht damit weiter als frühere Reformschritte. Kommunen haben bereits mehr Möglichkeiten erhalten, lokale Auswirkungen von Glücksspielstandorten zu dokumentieren. Solche Prüfungen können beispielsweise Gebiete mit einer hohen Konzentration bestehender Angebote oder einer besonders vulnerablen Bevölkerung erfassen. Das Festhalten an „Aim to Permit“ begrenzte diesen Ansatz jedoch weiterhin.
Premierminister Andy Burnham will diese gesetzliche Grundannahme nun beseitigen. Nach Angaben aus Downing Street soll eine sechswöchige beschleunigte Konsultation folgen. Die neuen Regeln sollen nach Möglichkeit zu Beginn des Jahres 2027 in Kraft treten.
Bei den Adult Gaming Centres, kurz AGCs, geht es um Spielhallen für Erwachsene. Dort stehen vor allem Geldspielautomaten. Einige Standorte bieten rund um die Uhr Zugang. Die Regierung will ihre planungsrechtliche Stellung verschärfen. Für neue AGCs soll dadurch eine ausdrückliche Prüfung durch die zuständige Kommune erforderlich werden.
Wettbüros gehen landesweit zurück, Adult Gaming Centres legen leicht zu
Die Debatte dreht sich nicht nur um die absolute Zahl der Glücksspielstandorte. Ein zentraler Kritikpunkt ist ihre lokale Konzentration. Gemeinden in London und anderen Städten beklagen seit Jahren eine Häufung von Wettbüros und Adult Gaming Centres in einzelnen Einkaufsstraßen und wirtschaftlich schwächeren Vierteln.
Die landesweiten Zahlen zeigen allerdings kein einheitliches Wachstum. Die britische Gambling Commission meldete zuletzt 8.254 Glücksspielstandorte in Großbritannien. Davon waren 5.782 Wettbüros und 1.454 Adult Gaming Centres. Gegenüber dem vorherigen Datenstand sank die Zahl der Wettbüros um 43 Standorte. Bei AGCs kamen 39 hinzu.
Damit ergibt sich ein differenziertes Bild:
- Wettbüros: Ihre Zahl sinkt in Großbritannien seit Jahren.
- Adult Gaming Centres: Die jüngsten Daten zeigen dagegen einen leichten Anstieg.
- Lokale Konzentration: Einzelne Kommunen melden deutlich stärkere Häufungen als der nationale Durchschnitt vermuten lässt.
- Kinder und vulnerable Personen: Lokale Risikoprofile sollen bei Entscheidungen mehr Gewicht erhalten.
- Neue Standorte: Kommunen sollen künftig leichter gegen zusätzliche Angebote vorgehen können.
Die Reform verändert nicht die grundsätzliche Aufteilung der Glücksspielaufsicht. Die Gambling Commission bleibt für Betreiberlizenzen und zentrale Vorgaben zuständig. Kommunale Behörden entscheiden über einzelne Betriebsstätten und kontrollieren lokale Anforderungen. Die nationale Aufsicht kann Betreiber zusätzlich sanktionieren. Wie weit solche Maßnahmen reichen, zeigte zuletzt die 900.000-Pfund-Zahlung des Betfred-Betreibers nach UKGC-Ermittlungen wegen Fehlern beim Spielerschutz und bei der Geldwäscheprävention.
Die Glücksspielbranche widerspricht zugleich der Darstellung einer landesweiten unkontrollierten Ausbreitung. Die offiziellen Zahlen der Gambling Commission stützen diesen Einwand zumindest bei klassischen Wettbüros. Ihre Zahl ist seit 2019 deutlich zurückgegangen. Die Regierung argumentiert dagegen stärker mit der Situation einzelner Einkaufsstraßen und dem geringen Einfluss lokaler Behörden auf neue Anträge.
Entscheidend wird deshalb die genaue Umsetzung nach der Konsultation. Die Abschaffung von „Aim to Permit“ würde Kommunen erstmals seit dem Gambling Act 2005 deutlich mehr Freiheit bei ihrer lokalen Glücksspielpolitik geben. Neue Wettbüros und Adult Gaming Centres könnten dann nicht allein anhand der bisherigen Lizenzlogik beurteilt werden. Die bestehende Konzentration von Glücksspielangeboten und konkrete Risiken eines Standorts dürften bei künftigen Entscheidungen stärker ins Gewicht fallen.