Super Micro hat bestätigt, dass Mitgründer Yih Shyan Liaw am 20. März 2026 mit sofortiger Wirkung aus dem Board ausgeschieden ist. Das Unternehmen veröffentlichte die Information in einer aktuellen 8 K Meldung bei der US Börsenaufsicht SEC. Einen Tag zuvor hatte das US Justizministerium eine Anklage gegen Liaw, Ruei Tsang Chang und Ting Wei Sun entsiegelt. Die US Behörden werfen den drei Beschuldigten vor, US Server mit kontrollierter künstlicher Intelligenz Technik über Taiwan und Südostasien nach China umgeleitet zu haben. Super Micro ist in dem Verfahren nicht als Beklagte genannt und kooperiert nach eigenen Angaben mit den Ermittlern.
US Anklage beschreibt Route über Taiwan, Südostasien und Dummy Server
Nach Angaben des Justizministeriums soll die Gruppe zwischen 2024 und 2025 Bestellungen über eine Firma in Südostasien abgewickelt haben, obwohl die Systeme laut Anklage für Kunden in China bestimmt waren. Die Behörde beziffert das Volumen auf rund 2,5 Milliarden US Dollar. Allein zwischen Ende April 2025 und Mitte Mai 2025 sollen Server im Wert von etwa 510 Millionen US Dollar nach China umgeleitet worden sein. Die Anklage beschreibt zudem ein besonders auffälliges Tarnschema: Für Audits sollen Tausende funktionslose Dummy Server bereitgestellt worden sein. Laut DOJ wurden dabei sogar Etiketten und Seriennummern mit einem Haartrockner entfernt und auf Scheinhardware übertragen.
Liaw und Sun wurden laut DOJ festgenommen. Chang gilt laut US Behörden weiter als flüchtig. Super Micro teilte bereits am 19. März mit, dass Liaw und Chang beurlaubt wurden und die Zusammenarbeit mit Sun beendet ist. Einen Tag später meldete das Unternehmen zusätzlich den sofortigen Rückzug Liaws aus dem Board. Super Micro betonte erneut, dass Liaws Rücktritt nicht auf einen Streit mit dem Unternehmen zurückgeht.
Warum der Fall für den KI Server Markt wichtig ist
Der Fall trifft nicht nur ein einzelnes Managementmitglied. Er trifft einen der bekanntesten Anbieter für KI Server im Nvidia Umfeld. Super Micro ist einer der wichtigsten Hersteller von AI Servern mit Nvidia Chips. Genau deshalb reicht der Fall weit über eine reine Personalie hinaus. Es geht um Exportkontrollen, Re Export Risiken, Lieferketten in Asien und den politischen Druck rund um Hochleistungsrechner für künstliche Intelligenz. Seit Oktober 2022 beschränken die USA den Zugang Chinas zu fortgeschrittenen Rechenchips und Systemen für Supercomputing und AI Workloads. Das BIS hat diese Linie später mehrfach verschärft und im Mai 2025 sogar eine eigene Branchenwarnung zu Umgehung, Transshipment und verdeckten Endkunden veröffentlicht.
Für Anleger war die Nachricht sofort relevant. Die Aktie fiel um mehr als 33 Prozent und nachbörslich legte sie wieder rund 2 Prozent zu. Parallel dazu hat Super Micro DeAnna Luna mit sofortiger Wirkung zur kommissarischen Chief Compliance Officer ernannt. Laut Unternehmen kam sie 2024 als Vice President für Global Trade und Sanctions Compliance zu Super Micro und war zuvor unter anderem bei Intel für Exportlizenzen und Klassifizierung zuständig. Das deutet darauf hin, dass Super Micro den Fall nicht nur juristisch, sondern auch als akutes Compliance Problem behandelt.
Der Fall zeigt, wie stark der Markt für KI Server inzwischen von Exportrecht, Handelskontrolle und geopolitischer Durchsetzung geprägt ist. Wenn ein Mitgründer eines großen Serverherstellers in ein solches Verfahren gerät, wird aus einer Unternehmensmeldung sofort ein Thema für die gesamte AI Hardware Kette.