DOCV hält neue GGL Schwarzmarktzahlen für zu konservativ und sieht Kanalisierung näher bei 50 Prozent

Die Debatte über den deutschen Schwarzmarkt im Online Glücksspiel geht in die nächste Runde. Die GGL hatte am 16. März 2026 eine neue Studie veröffentlicht und den Anteil nicht regulierter Online Angebote auf 22,97 Prozent beziffert. Daraus leitete die Behörde eine Kanalisierungsquote von 77,03 Prozent ab. Der Deutsche Online Casinoverband hält diese Zahlen jetzt für zu konservativ und sieht den tatsächlichen Wert weiter deutlich näher bei 50 Prozent.

GGL sieht drei Viertel des Marktes im legalen Bereich, der DOCV widerspricht

Die GGL stützt ihre aktuelle Linie auf eine von ihr beauftragte Untersuchung des Blockchain Research Lab. Laut Behörde bestätigt die Studie das bisherige methodische Vorgehen und stützt den Ansatz der faktenbasierten Regulierung im Rahmen des Glücksspielstaatsvertrags 2021. Die Ergebnisse sollen zudem in den laufenden Evaluierungsprozess des Staatsvertrags einfließen.

Der DOCV greift genau diese Einordnung nun an. Vizepräsident Simon Priglinger-Simader bezeichnet die neuen Werte als konservativ und methodisch nicht belastbar genug. Er kritisiert eine nicht repräsentative Stichprobe und einen Recall Bias, weil Befragte selbst angeben sollten, ob sie in den vergangenen zwölf Monaten bei illegalen Angeboten gespielt haben. Nach seiner Darstellung passt das Ergebnis auch nicht zu den Steuerdaten, die der Verband aus dem Markt ableitet.

Als Gegenmodell verweist der DOCV weiter auf die 2023 veröffentlichte Schnabl Studie, die gemeinsam mit dem DSWV in Auftrag gegeben wurde. Diese Untersuchung arbeitete mit einem Nielsen Online Meter Panel von rund 25.000 Personen, identifizierte mehr als 700 Glücksspieldomains und kam für März 2023 auf eine Kanalisierungsrate von 50,7 Prozent. 28,9 Prozent der Nutzungen entfielen dort auf nicht lizenzierte EU Anbieter, weitere 19,9 Prozent auf Offshore Angebote. In der Zusammenfassung der Auftraggeber heißt es zudem, die Hälfte der Nutzungszeit deutscher Spieler entfalle auf illegale Online Glücksspielangebote.

Der Streit trifft direkt die Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags

Brisant ist die Auseinandersetzung nicht nur wegen der Zahlen selbst, sondern wegen ihrer möglichen politischen Wirkung. Die GGL hat bereits erklärt, dass ihre Ergebnisse in die laufende Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags einfließen. Genau davor warnt der DOCV. Aus Sicht des Verbands könnte die Behörde die neue Quote von 77,03 Prozent als Beleg dafür nutzen, dass das bestehende Regelwerk im Kern funktioniere und deshalb keine stärkeren Anpassungen nötig seien.

Der Verband setzt an einem anderen Punkt an. Priglinger-Simader argumentiert, dass der tatsächliche Umsatz illegaler Anbieter höher liege als die aktuellen Schätzungen nahelegen. Als Gründe nennt er Bonusdruck, fehlende Spielerschutzinstrumente, keine Verlustgrenzen und keine Spin Limits. Genau dort liegt auch der Kernkonflikt des deutschen Marktes. Der Druck steigt immer dann, wenn regulierte Anbieter mit Limits, Prüfung und technischen Vorgaben arbeiten, während ein Casino ohne Limit im direkten Vergleich freier wirkt.

Für den Sommer kündigt sich damit bereits die nächste Eskalationsstufe an. Laut Priglinger-Simader arbeitet Gunther Schnabl an einer aktualisierten Auswertung für 2025, erneut auf Basis des Nielsen Datenpanels und mit einer überarbeiteten Liste illegaler Domains. Sollte diese neue Auswertung erneut deutlich niedrigere Kanalisierungswerte liefern als die GGL Studie, dürfte der Streit über Schwarzmarktgröße, Marktattraktivität und regulatorische Nachschärfung noch schärfer in die politische Prüfung des Staatsvertrags hineinlaufen.