Verbände fordern Verbot von Sportwetten-Werbung in Fußballstadien

Der Internationale Bund und der Fachverband Glücksspielsucht haben am 26. März ein Verbot von Sportwetten-Werbung in Fußballstadien gefordert. Beide Organisationen begründen den Vorstoß mit dem Schutz junger Fans, der Verbreitung problematischen Spielverhaltens und der gesellschaftlichen Verantwortung der Vereine. Der Internationale Bund erklärte, Sportwetten-Werbung erhöhe das Suchtrisiko der Fans massiv. Der Fachverband Glücksspielsucht forderte den Gesetzgeber auf, die Regeln für Kinder- und Jugendschutz, Prävention und Werbebeschränkungen deutlich zu verschärfen.

Die Forderung fällt in eine Phase, in der Werbung für Glücksspiel im deutschen Fußball bereits seit längerem umstritten ist. Nach dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 ist Werbung für Glücksspiele in Sportstätten weiterhin zulässig, allerdings nur in Form von Dachmarkenwerbung auf Trikots, Banden und vergleichbaren Werbemitteln. Genau diese verbleibende Sichtbarkeit in Stadien wird nun erneut politisch angegriffen. Der neue Vorstoß zielt damit nicht auf ein abstraktes Werbethema, sondern auf eine konkret erlaubte Praxis im Profifußball.

Der Vorstoß verbindet Fußball, Jugendschutz und Suchtrisiken

Der Internationale Bund verweist in seiner Erklärung auf seine Arbeit in sieben Fanprojekten von der 1. bis zur 4. Liga im Männerfußball. Diese Projekte richten sich an junge Fans zwischen 12 und 27 Jahren. Nach Darstellung des Verbands gilt genau diese Zielgruppe als besonders empfänglich für Sportwetten, vor allem junge Männer. Daraus leiten IB und Fachverband die Forderung ab, dass Vereine entweder freiwillig auf solche Werbegelder verzichten oder der Gesetzgeber einschreiten müsse.

Die Zahlen, auf die sich der Vorstoß stützt, sind politisch belastbar. Im Datenportal des Beauftragten der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen heißt es, dass in Deutschland rund 1,3 Millionen Menschen an einer Störung durch Glücksspielen leiden und weitere 3 Millionen ein problematisches Glücksspielverhalten zeigen. Der Glücksspielatlas 2023 nennt online Sportwetten neben Geldspielautomaten und Online Glücksspiel als Bereich mit besonderer Relevanz für problematisches Spielverhalten. Damit verschiebt sich die Debatte weg von reiner Sponsoring-Ästhetik hin zu einer Frage der Gesundheits- und Präventionspolitik.

Die Forderung trifft einen Bereich, den das geltende Recht bislang offen lässt

Politisch interessant ist die Initiative vor allem deshalb, weil sie eine Lücke im aktuellen Werberegime direkt adressiert. Der Glücksspielstaatsvertrag begrenzt Werbung für Sportwetten in vielen Bereichen bereits, etwa durch Vorgaben zu Zielgruppen, Inhalt und Auftritt. Gleichzeitig lässt das Regelwerk Stadionwerbung in Form von Dachmarkenwerbung weiter zu. Der neue Vorstoß stellt genau diesen Sonderraum in Frage. Wenn sich daraus eine breitere politische Debatte entwickelt, könnte sie nicht nur Sponsoring im Stadion, sondern auch die generelle Sichtbarkeit von Sportwetten im Fußball neu ordnen.

Für die Branche ist das deshalb keine Randmeldung. Fußballstadien gehören zu den sichtbarsten Werbeplätzen für Wettanbieter, gerade in einem Umfeld mit hoher Reichweite, starker emotionaler Bindung und hohem Anteil junger Zuschauer. Wird diese Form der Werbung politisch neu bewertet, trifft das nicht nur einzelne Vereinsverträge, sondern einen der wichtigsten Sichtbarkeitskanäle des deutschen Sportwettenmarkts. Ob aus der Forderung kurzfristig ein Gesetzesvorhaben wird, ist offen. Klar ist aber schon jetzt, dass die Diskussion um Sportwetten-Werbung im Fußball wieder auf der politischen Tagesordnung steht.