Im Linux Kernel steht der erste echte CPU Altlasten Cut seit 2012 an. Ein von Ingo Molnar vorbereiteter Patch für das kommende 7.1 Merge Window entfernt die x86 Konfigurationsoptionen M486, M486SX und MELAN. Neue Upstream Kernel ließen sich damit nicht mehr gezielt für 486 Klasse Prozessoren bauen. Noch ist die Änderung nicht final in einem Mainline Release angekommen. Der Schritt gilt bisher als Patch für das 7.1 Merge Window, das nach Linux 7.0 folgt. Auf kernel.org steht Linux 7.0 derzeit bei rc7. Der nächste große Aufnahmeschritt für neue Features ist also tatsächlich 7.1. Wäre die Änderung am Ende dabei, wäre es die erste gestrichene x86 CPU Generation seit dem Ende des 386 Supports im Jahr 2012.
Der Patch zielt zuerst auf die 486 Konfiguration, nicht sofort auf jede alte 32 Bit CPU
Die technische Stoßrichtung ist klar. Schon in seiner RFC Serie vom April 2025 schrieb Molnar, dass x86 32 Bit bis heute verschiedene komplizierte Emulations und Kompatibilitätsschichten für sehr alte Prozessoren mitschleppt. Er verwies dabei ausdrücklich auf 486 und TSC lose frühe 586 Systeme. In derselben Serie nannte er als relevante Teilstücke unter anderem „Remove M486/M486SX/ELAN support“, das Entfernen von TSC losem M586 Support sowie das Unconditional Making von CONFIG_X86_TSC und CONFIG_X86_CX8. Die damalige RFC Serie hätte laut Diffstat mehr als 14.000 Zeilen entfernt. Linus Torvalds stützte die Richtung in dem Thread mit einer klaren Aussage. Er sehe „zero real reason“, weiter Entwicklungszeit auf i486 Probleme zu verwenden. Der jetzt für 7.1 erwartete Schritt ist dabei bewusst die erste Stufe. Zunächst verschwinden die 486 Build Optionen aus Kconfig. Die tiefere Bereinigung des Alt Codes kann danach folgen.
Für aktuelle Nutzer wäre der Effekt klein, als Kernel Signal ist der Schritt groß
Praktisch dürfte die Änderung nur noch sehr wenige Nutzer direkt treffen. Schon die bisherige Diskussion drehte sich stark darum, dass moderne Distributionen für solch alte Prozessoren faktisch kaum noch relevante Kernel ausliefern. Wer tatsächlich noch einen 486 betreibt, wird voraussichtlich auf ältere oder langfristig gepflegte Kernelstände angewiesen sein. Als Signal im Kernel ist der Schritt trotzdem groß. Intel führte den i486 bereits 1989 ein. Linux hat diese CPU Klasse damit über Jahrzehnte mitgeschleppt. Dass der Kernel jetzt ausgerechnet an dieser Stelle kürzt, zeigt eine klare Priorität: weniger historische Sonderfälle, weniger Wartungsaufwand und mehr Fokus auf die Plattformen, auf denen heutige Mainline Kernel real laufen. Genau deshalb ist die i486 Entscheidung mehr als nur Nostalgie. Sie markiert den Moment, in dem Linux seine x86 Rückwärtskompatibilität wieder ein Stück enger zieht.