New York greift Prediction Markets jetzt offen als Glücksspiel an. Generalstaatsanwältin Letitia James hat am 21. April 2026 Klagen gegen Coinbase Financial Markets und Gemini Titan eingereicht. Der Vorwurf ist klar: Die angebotenen Event- und Sportkontrakte seien in New York kein innovatives Finanzprodukt, sondern illegales, nicht lizenziertes Glücksspiel. Nach Darstellung der Behörde konnten Nutzer dort auf Sport, Unterhaltung und Wahlen setzen, obwohl beide Unternehmen keine Lizenz der New York State Gaming Commission haben.
New York zieht die Linie bei Event- und Sportkontrakten scharf
Die rechtliche Stoßrichtung der Klagen ist bemerkenswert deutlich. New York argumentiert, dass das Wetten auf zukünftige Ereignisse wie Spiele, Wahlen oder Show-Ergebnisse die gesetzliche Definition von Glücksspiel erfüllt, weil der Ausgang unsicher und außerhalb der Kontrolle des Teilnehmers liegt. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft Coinbase und Gemini außerdem vor, ihre Prediction-Market-Angebote Nutzern zwischen 18 und 20 Jahren geöffnet zu haben, obwohl für mobiles Sportwetten in New York ein Mindestalter von 21 Jahren gilt. Hinzu kommt laut Behörde ein weiterer Punkt: Beide Plattformen hätten sich den Pflichten und Abgaben entzogen, die lizenzierte Sportwettenanbieter und Casinos im Bundesstaat tragen müssen.
Das macht den Fall auch deshalb interessant, weil die betroffenen Unternehmen ihre Produkte selbst ganz anders beschreiben. Auf Coinbase Predictions heißt es, Prediction Markets seien ein regulierter Exchange, auf dem Nutzer Event Contracts zu realen Ereignissen handeln. Coinbase verweist dabei ausdrücklich auf Coinbase Financial Markets als registrierten Futures Commission Merchant unter Aufsicht der CFTC. Auch Gemini hatte den Eintritt in den Markt Ende 2025 mit einer US-Lizenz für Prediction Markets angekündigt und die Produkte als einfache Ja-nein-Kontrakte auf künftige Ereignisse beschrieben. Genau hier liegt der Kern des Konflikts: Bundesrechtlich regulierte Event Contracts treffen auf einen Bundesstaat, der dieselben Produkte als illegales Glücksspiel behandelt.
Der Fall reicht über New York hinaus und berührt auch die Sportwetten-Debatte in Europa
Der New Yorker Vorstoß fällt nicht in ein Vakuum. Reuters und AP verweisen darauf, dass sich in den USA gerade ein größerer Machtkampf zwischen einzelstaatlicher Glücksspielaufsicht und der bundesrechtlichen Zuständigkeit der CFTC entwickelt. Kalshi streitet in New York bereits separat über genau diese Abgrenzung, und Coinbase hat ähnliche Schritte anderer Bundesstaaten ebenfalls angegriffen. Damit wird aus einem einzelnen Vollzugsfall ein Grundsatzstreit darüber, ob Prediction Markets wie Sportwetten behandelt werden oder wie bundesrechtlich geschützte Derivate.
Im deutschen Kontext wirkt das sofort vertraut. Legale Online-Sportwetten laufen hier nicht nur über eine Erlaubnis und die amtliche Whitelist, sondern auch über Aufsichtssysteme wie OASIS und LUGAS. Die GGL beschreibt OASIS als bundesweites Spielersperrsystem und LUGAS als zentrale Dateien für Einzahlungslimitierung und Parallelspielverhinderung. Genau deshalb erinnert die New Yorker Klage auch an die Logik hinter Angeboten, die als Sportwetten ohne LUGAS gesucht werden. Was für Spieler nach weniger Reibung klingt, ist aus regulatorischer Sicht oft gerade das Fehlen der Kontroll- und Schutzsysteme, an die legale Anbieter gebunden sind.
Für den Markt ist die Botschaft damit deutlich. Prediction Markets werden nicht mehr nur als technische Grauzone diskutiert, sondern in einzelnen Jurisdiktionen offen als Glücksspiel angegriffen. Wenn selbst große Kryptomarken mit CFTC-Bezug in New York auf dieser Linie verklagt werden, trifft das nicht nur die USA. Es verschiebt auch die Debatte in Europa darüber, wo Sportwetten enden, wo Event Contracts beginnen und wie lange Produkte ohne klassische nationale Glücksspielaufsicht noch als Sonderfall verkauft werden können.