Google Chrome entfernt letzte Schlupflöcher für alte Werbeblocker

Google Chrome entfernt mit den kommenden Versionen Chrome 150 und Chrome 151 die letzten Reste von Manifest V2. Damit endet auch der letzte Umweg für klassische Werbeblocker wie uBlock Origin im Google-Browser. Betroffen sind Erweiterungen, die noch auf dem alten Erweiterungsmodell basieren. Chrome Nutzer müssen deshalb auf Manifest-V3-Versionen wie uBlock Origin Lite, AdGuard MV3 oder Adblock Plus MV3 wechseln. Alternativ bleibt ein Browserwechsel.

Wichtig ist die Einordnung: Google blockiert nicht jeden Werbeblocker. Chrome blockiert alte Erweiterungen auf Manifest V2. Werbeblocker mit Manifest V3 funktionieren weiter, arbeiten aber technisch anders. Genau an dieser Stelle entsteht der Streit. Google sieht Manifest V3 als sicherer und kontrollierbarer. Kritiker sehen weniger flexible Filterregeln, schwächere dynamische Blockierung und mehr Macht beim Browseranbieter.

Chrome 150 und 151 entfernen letzte Manifest-V2-Umwege

Google hat Manifest V2 bereits schrittweise abgeschaltet. Zuerst erschienen Warnungen im Erweiterungsmanager. Danach deaktivierte Chrome alte Erweiterungen automatisch. Später fiel die Möglichkeit weg, Manifest-V2-Erweiterungen wieder einzuschalten. Laut Googles Dokumentation ist Manifest V2 seit Chrome 138 für alle Nutzer auf allen Chrome-Kanälen deaktiviert. Mit Chrome 139 funktionierten Manifest-V2-Erweiterungen auf aktuellen Chrome-Versionen nicht mehr.

Der neue Schritt betrifft die letzten technischen Reste. Berichte von The Verge und The Next Web beschreiben Chrome 150 und Chrome 151 als letzte Phase. Chrome 150 soll Ende Juni 2026 erscheinen. Chrome 151 folgt voraussichtlich im Juli. Danach bleiben keine nutzbaren Flags, kein Enterprise-Schlupfloch und kein versteckter Schalter für klassische Manifest-V2-Erweiterungen übrig.

Für Nutzer ist die Folge klar: Die Vollversion von uBlock Origin läuft in Chrome nicht mehr dauerhaft. Die Erweiterung basiert auf Funktionen, die Chrome im alten Modell bereitgestellt hat. uBlock Origin Lite ist die offizielle Manifest-V3-Variante. Sie ist aber nicht identisch mit der klassischen Version. Das gilt besonders bei dynamischer Filterung, schnellen Gegenmaßnahmen gegen neue Werbetechniken und bestimmten erweiterten Regeln.

Google argumentiert mit Sicherheitsrisiken und technischer Wartung. Manifest V2 gab Erweiterungen tieferen Zugriff auf Netzwerkaufrufe. Ein kompromittiertes Add-on konnte dadurch sehr viel sehen oder verändern. Manifest V3 verlagert Filterlogik stärker in den Browser und begrenzt Erweiterungen über vordefinierte Regeln. Das reduziert bestimmte Risiken, schränkt aber auch mächtige Content-Blocker ein.

Was Chrome-Nutzer jetzt bei Werbeblockern prüfen sollten

Chrome-Nutzer sollten zuerst den Erweiterungsmanager öffnen und prüfen, ob Chrome eine Erweiterung als „nicht mehr unterstützt“ markiert. Danach folgt die Entscheidung: Manifest-V3-Ersatz installieren, integrierte Schutzfunktionen nutzen oder Browser wechseln. Für die meisten Nutzer ist uBlock Origin Lite der direkte Ersatz. AdGuard, Adblock Plus und weitere bekannte Anbieter haben ebenfalls Manifest-V3-Versionen.

Wer maximale Filterkontrolle benötigt, sollte die Grenzen kennen. Manifest-V3-Blocker können viele Anzeigen und Tracker weiterhin blockieren. Sie reagieren aber anders auf schnelle Änderungen bei Werbenetzwerken, YouTube-Maßnahmen oder aggressiven Anti-Adblock-Skripten. Nutzer mit eigenen Filtern, erweiterten Regeln und dynamischer Blockierung merken den Unterschied stärker als Nutzer mit Standardlisten.

Firefox bleibt die wichtigste Alternative für Nutzer, die uBlock Origin in der klassischen Form weiter verwenden möchten. Mozilla unterstützt Manifest V2 neben Manifest V3 und hält wichtige WebRequest-Funktionen für Content-Blocker weiter offen. Ghacks bietet dazu den eigenen Firefox Hub mit aktuellen Browser-Artikeln. Auch Chromium-Browser mit eingebautem Blocker können eine Option sein, ersetzen aber nicht automatisch die volle uBlock-Origin-Erfahrung.

Für Unternehmen endet mit den kommenden Chrome-Versionen auch der letzte praktische Spielraum. Alte Richtlinien und Flags verlieren ihren Nutzen. IT-Teams sollten Inventare prüfen, Pflicht-Erweiterungen migrieren und Nutzerkommunikation vorbereiten. Besonders wichtig sind Umgebungen mit Compliance-Filtern, Sicherheits-Add-ons, selbst entwickelten Erweiterungen und streng kontrollierten Browserprofilen.

Die Chrome-Umstellung ist damit nicht nur ein Werbeblocker-Thema. Google setzt das neue Erweiterungsmodell endgültig durch. Für normale Nutzer entscheidet nun der eigene Anspruch: weniger Aufwand mit Manifest-V3-Blocker in Chrome, oder mehr Filterkontrolle mit einem Browser, der klassische Content-Blocker weiter zulässt.