Epic Games will den Epic Games Store in den nächsten zwölf Monaten deutlich ausbauen. Auf dem Unreal Fest zeigte das Unternehmen eine Roadmap für den Epic Games Launcher V2, die neue Profile, Avatare, schriftliche Nutzerbewertungen, Patch Notes, Controller-Support und Community-Funktionen vorsieht. Der Store soll damit näher an Steam heranrücken und für PC-Spieler weniger wie ein reiner Download-Client wirken.
Für Gaming-Nutzer ist die Roadmap relevant, weil viele Kritikpunkte am Epic Games Store seit Jahren dieselben sind. Steam bietet gewachsene Community-Funktionen, Nutzerbewertungen, Foren, Controller-Werkzeuge, Profile und eine sehr tiefe Bibliotheksverwaltung. Epic will nun mehrere dieser Lücken schließen und gleichzeitig die technische Basis des Launchers neu aufbauen.
Epic Games Store bekommt Profile, Reviews und Patch Notes
Der sichtbarste Umbau betrifft die sozialen Funktionen. Epic plant ausführlichere Spielerprofile mit Avataren und Spielaktivität. Daraus sollen private Nachrichten, bessere Sprachchats und spielunabhängige Parties entstehen. Diese Funktionen sind wichtig, weil ein PC-Store nicht nur Spiele verkauft. Er ist für viele Nutzer auch Freundesliste, Bibliothek, Kommunikationswerkzeug und Startpunkt für Multiplayer-Abende.
Auch schriftliche Nutzerbewertungen sollen kommen. Bisher setzt Epic stärker auf andere Bewertungssignale und kuratierte Store-Elemente. Textbewertungen könnten den Store für Käufer deutlich nützlicher machen, weil sie Probleme mit Performance, Monetarisierung, Updates oder Controller-Support schneller sichtbar machen. Gleichzeitig muss Epic zeigen, wie es Missbrauch, Review-Bombing und wenig hilfreiche Kurzbewertungen begrenzen will.
Für Entwickler und Spieler sind die geplanten Patch Notes im Store besonders praktisch. Wenn Studios Update-Hinweise direkt auf der Store-Seite veröffentlichen können, müssen Spieler nicht mehr auf Discord, X, Steam-Foren oder externe Webseiten ausweichen. Ein neues Benachrichtigungssystem soll Nutzer zusätzlich über passende Updates informieren. Das ist gerade bei Live-Service-Spielen, Early-Access-Titeln und großen Multiplayer-Updates wichtig.
| Funktion | Geplanter Nutzen | Warum es Steam näherkommt |
|---|---|---|
| Spielerprofile und Avatare | mehr Identität und Aktivität im Store | Steam-Profile sind zentrale Bindungspunkte |
| Schriftliche Nutzerbewertungen | bessere Kaufentscheidung durch Spielerberichte | Steam-Reviews prägen Kaufentscheidungen stark |
| Patch Notes im Store | Updates direkt auf Produktseiten sichtbar | Steam zeigt Update-Kommunikation sehr prominent |
| Private Nachrichten und Voice-Chat | Kommunikation innerhalb des Epic-Ökosystems | Steam Chat ist für viele PC-Spieler gesetzt |
| Spielunabhängige Parties | Gruppen bleiben über Spiele hinweg zusammen | Steam-Gruppen und Freunde bleiben wichtig |
| Universal Controller Support | bessere Eingabeunterstützung für Controller | Steam Input ist ein großer Komfortvorteil |
| Personalisierte Empfehlungen | Startseite und Produktseiten werden relevanter | Steam nutzt Nutzersignale stark für Sichtbarkeit |
| Systemanforderungsprüfung | Nutzer sehen besser, wie ein Spiel auf ihrem PC läuft | Steam gibt mehr Kontext vor dem Kauf |
| Third-Party Communities | Community-Bereiche für Spiele und Publisher | Steam-Foren binden Diskussionen an Spiele |
Launcher V2 soll schneller starten und den Store neu strukturieren
Neben den Store-Funktionen steht die technische Überarbeitung im Mittelpunkt. Epic beschreibt den Launcher V2 laut Berichten als Neuaufbau der Plattform. Präsentationsfolien nennen einen 5-fach schnelleren Kaltstart und ein 6,5-fach schnelleres Wiederherstellen aus dem Systemtray zur Bibliothek. Gerade Nutzer mit großen Bibliotheken hatten den Epic Games Launcher in der Vergangenheit oft als träge empfunden.
Die gemeldeten Leistungswerte sollten trotzdem vorsichtig gelesen werden. Tom’s Hardware weist darauf hin, dass Epic die Zahlen auf sehr starker Hardware ermittelt haben soll. Auf normalen Gaming-PCs, Laptops oder älteren Systemen können die Ergebnisse anders ausfallen. Entscheidend wird deshalb nicht die Folienzahl, sondern die tatsächliche Reaktionsgeschwindigkeit im Alltag.
Die Roadmap ist in mehrere Phasen gegliedert. Unter Up First stehen frühe Schritte wie eine private Beta für den Launcher V2, Cross-Region-Gifting und eine aufgeteilte Fortnite-Installation. Letzteres kann wichtig werden, wenn Spieler einzelne Inhalte installieren oder Speicherplatz sparen wollen. Danach sollen weitere Store-Funktionen folgen, darunter öffentliche Tests, neue Produktseiten und mehr Community-Elemente.
Der geplante Universal Controller Support dürfte für PC-Spieler einer der wichtigsten späten Punkte sein. Steam hat mit Steam Input seit Jahren einen starken Vorteil, weil viele Controller, Layouts und Community-Konfigurationen zentral verwaltet werden. Wenn Epic hier aufholt, wird der Store für Couch-Gaming, Handhelds, TV-Setups und Controller-Spieler deutlich interessanter.
Auch personalisierte Empfehlungen und neue Produktseiten sollen den Store verändern. Epic will Spiele stärker nach Geschmack, Spielweise und Kontext anzeigen. Produktseiten sollen nicht nur Cover, Preis und Trailer zeigen, sondern Spieler stärker mit Community, Fortschritt und Spielstatus verbinden. Das ist ein wichtiger Schritt, wenn Epic weniger abhängig von Gratisaktionen und Exklusivdeals wirken will.
Der Vergleich mit Steam bleibt trotzdem anspruchsvoll. Valve hat über viele Jahre ein dichtes Ökosystem aufgebaut. Dazu gehören Nutzerreviews, Foren, Workshop, Steam Input, Remote Play, Familienfunktionen, Deck-Kompatibilität, Kuratoren und eine sehr große installierte Nutzerbasis. Epic kann diese Struktur nicht mit einer einzigen Roadmap kopieren. Der Launcher V2 wäre aber der bislang sichtbarste Versuch, die Lücke im Alltag der PC-Spieler zu verkleinern.
Für deutsche Nutzer zählt am Ende vor allem die Umsetzung. Profile, Reviews, Patch Notes und Controller-Support helfen nur, wenn sie schnell, übersichtlich, moderiert und zuverlässig funktionieren. Epic hat nun eine klare Richtung gezeigt. In den kommenden zwölf Monaten entscheidet sich, ob der Epic Games Store wirklich zu einer stärkeren Steam-Alternative wird oder nur einzelne Komfortfunktionen nachliefert.