Microsoft hat Windows 11 Insider Preview Build 26220.7523 (KB5072043) für den Dev- und Beta-Channel veröffentlicht – basierend auf Version 25H2. Das Update bringt mehrere Copilot-Erweiterungen für die Taskleiste, baut Bedienungshilfen im Narrator aus, passt Eingabe und Widgets an und liefert eine lange Liste an Fehlerbehebungen. Dass derselbe Build aktuell in beiden Kanälen angeboten wird, eröffnet Dev-Channel-Nutzern außerdem vorübergehend die Möglichkeit, ohne Neuinstallation in den Beta-Channel zu wechseln.
Wie bei Microsofts aktueller Insider-Strategie werden die Neuerungen aufgeteilt: Ein Teil wird schrittweise ausgerollt (für Systeme mit aktivierter Option „Neueste Updates sofort erhalten“), der Rest gilt für alle im Dev- und Beta-Channel. Viele der auffälligsten Änderungen in diesem Build gehören zur schrittweisen Bereitstellung.
„Ask Copilot“ kommt in die Taskleiste – zunächst für kommerzielle Nutzer
Die sichtbarste Neuerung ist „Ask Copilot“ in der Taskleiste für kommerzielle Kunden mit einer Microsoft 365 Copilot-Lizenz. Consumer-Insider haben eine frühe Variante bereits im Oktober gesehen; dieser Build liefert nun eine Version, die stärker auf Arbeitsumgebungen zugeschnitten ist.
„Ask Copilot“ dient als zentraler Einstiegspunkt für Microsoft 365 Copilot, Copilot-Agenten und Suche. Direkt über die Taskleiste lässt sich Copilot mit einem Klick öffnen, per Sprache oder Text nutzen und dabei auf Arbeitskontext zugreifen, der an die Microsoft-365-Umgebung gekoppelt ist. Agenten können durch Eingabe von „@“ oder über die Tools-Schaltfläche aufgerufen werden. Suchergebnisse für Apps, Dateien und Einstellungen greifen dabei auf dieselben Windows-APIs zurück wie die normale Windows-Suche.
Die Funktion ist optional und lässt sich aktivieren unter:
Einstellungen > Personalisierung > Taskleiste > Ask Copilot
Microsoft betont, dass „Ask Copilot“ keinen zusätzlichen Zugriff auf persönliche Dateien erhält, der darüber hinausgeht, was die Windows-Suche ohnehin bereits bereitstellt.
Zum Start ist der Rollout auf kommerzielle Windows-Insider-Teilnehmer in den USA begrenzt und soll in den kommenden Wochen schrittweise erweitert werden.
Agenten stärker in Windows integriert: Taskleisten-Status und „Agent Launchers“
Build 26220.7523 erweitert außerdem, wie Copilot-Agenten in Windows sichtbar werden. Agenten-Aufgaben – etwa Berichte, die vom „Researcher“-Agenten erstellt werden – können künftig direkt in der Taskleiste auftauchen. Fortschrittsanzeigen und Hover-Status liefern Live-Updates, und nach Abschluss werden Benachrichtigungen angezeigt. Microsoft testet noch, ob diese Aufgaben zusammen mit dem Copilot-Symbol gruppiert oder als eigene Einträge geführt werden.
Im Hintergrund führt Microsoft zudem „Agent Launchers“ ein: ein neues Framework, über das Windows-Apps systemweit KI-Agenten registrieren können. Nach der Registrierung werden diese Agenten in unterstützten Oberflächen auffindbar – unter anderem in „Ask Copilot“ in der Taskleiste und in kompatiblen Apps. Beim Start öffnen Agenten ihre eigene Chat-Ansicht, können Kontext behalten, Rückfragen stellen und Aktionen ausführen.
Microsoft 365 Copilot nutzt dieses Framework bereits, um Agenten wie Analyst und Researcher bereitzustellen. Entwickler können Agenten entweder während der Installation registrieren oder auch zur Laufzeit – abhängig davon, ob z. B. Anmeldung oder Abo-Status erfüllt sind.
Narrator: Feinsteuerung, was vorgelesen wird – und in welcher Reihenfolge
Bei den Bedienungshilfen gibt es eine deutliche Verbesserung: Der Narrator erlaubt jetzt, genau festzulegen, welche Eigenschaften beim Navigieren durch UI-Elemente vorgelesen werden – und in welcher Reihenfolge. Dazu zählen u. a. Bezeichnungen, Rollen, Zustände und Werte. Diese Angaben lassen sich pro Steuerelement-Typ auswählen, umsortieren oder komplett weglassen.
Die Anpassung erreichst du mit Narrator-Taste + Strg + P. Dort lassen sich Ansagen für Buttons, Checkboxen, Slider und weitere Controls konfigurieren. Änderungen gelten innerhalb der aktuell verwendeten App. Eine Vorschau spielt die Ansage vor dem Speichern ab, und ein Reset stellt die Standardwerte wieder her.
Auf Copilot+PCs unterstützt diese Anpassung zusätzlich Eingaben in natürlicher Sprache: Statt einzelne Optionen anzuklicken, kann man z. B. per Text Anweisung festlegen, dass Positions- oder Auswahlansagen deaktiviert werden sollen.
Eingabe, Widgets und mehr Sprachen
Neben den großen Punkten bringt der Build mehrere kleinere, aber alltagstaugliche Änderungen:
- Sprachdiktat über die Touch-Tastatur zeigt nicht mehr das Vollbild-Overlay. Status-Animationen erscheinen direkt auf der Diktier-Taste, was weniger ablenkt.
- Ein neues „Discover Windows“-Widget liefert kurze Tipps zu Funktionen, Shortcuts und Sicherheitshinweisen. Es kann dem Widgets-Board oder dem Sperrbildschirm hinzugefügt werden und aktualisiert sich über den Tag hinweg.
- Der „Settings Agent“ erweitert die Sprachunterstützung auf Deutsch, Portugiesisch, Spanisch, Koreanisch, Japanisch, Hindi, Italienisch und vereinfachtes Chinesisch – zusätzlich zu Englisch und Französisch.
- Arabische Tastaturlayouts erhalten AltGr-Unterstützung, inklusive Zugriff auf das Saudi-Riyal-Währungssymbol.
- Voice Access bekommt einen vereinfachten Einrichtung Ablauf (u. a. für Model-Downloads, Mikrofon-Auswahl und Feature-Entdeckung).
Datei-Explorer: sichtbare Neuerungen und viele Fixes
Der Datei-Explorer bekommt sowohl sichtbare Änderungen als auch Performance-Verbesserungen. Bei Consumer-Konten mit Microsoft Account erscheinen nun Personen-Icons in der Spalte „Aktivität“ auf der Startseite des Datei-Explorers sowie in Bereichen wie „Empfohlen“ und „Zuletzt verwendet“. Wenn man darüber fährt oder klickt, öffnet sich eine Windows-Personenkarte mit Kontext zu jüngsten Datei-Interaktionen und Schnellaktionen wie Chat oder Anruf. Damit hält eine Funktion, die bisher eher auf Arbeits- und Schulkonten beschränkt war, stärker Einzug in Consumer-Cloud-Dateien.
Auf der Fehlerbehebung Seite nennt Microsoft unter anderem:
- weniger „weiße Blitze“ beim Navigieren,
- weniger doppelte Datei Indexierung zur besseren Such-Performance,
- zuverlässige Suche über mehrere Laufwerke hinweg,
- Fix für ein Problem, das OneDrive-Dateien in RemoteApp-Sitzungen am Öffnen hinderte,
- vereinfachte Voice-Access-Navigation in der Galerie-Ansicht.
Taskleiste, bekannte Probleme und Paint-Update
Die Taskleiste wird ebenfalls angepasst: Wenn Apps auf „nicht kombiniert“ stehen, sollen große Fenstergruppen nicht mehr komplett in den Overflow-Bereich geschoben werden. Eine separate Taskleisten-Animation hat Microsoft vorübergehend pausiert, während gemeldete Probleme untersucht werden.
Es bleiben bekannte Fehler, an denen gearbeitet wird. Einige Insider berichten u. a.:
- Klicks auf das Startmenü öffnen Start nicht,
- Symbole in der Taskleiste/Systemtray erscheinen nicht,
- bei automatisch ausblenden der Taskleiste wird zu früh eingeblendet und blockiert App-Interaktionen,
- Abstürze im Kontextmenü des Datei-Explorers,
- Probleme bei der Anzeige des Bluetooth-Akkustands.
Abseits des Betriebssystems rollt außerdem ein Paint-Update in Canary- und Dev-Channels aus: Version 11.2511.281.0 bringt eine einklappbare Toolbar, die sich automatisch ausblenden und bei Bedarf wieder einblenden lässt.
Hinweise für alle, die den Build testen
Wer neue Funktionen möglichst früh sehen möchte, sollte in Windows Update die Option „Neueste Updates sofort erhalten“ aktivieren. Dev-Channel-Nutzer sollten außerdem zeitnah entscheiden, ob sie in den Beta-Channel wechseln wollen, solange beide Kanäle noch dieselben 25H2-Builds teilen. Sobald der Dev-Channel auf höhere Build-Nummern springt, schließt sich dieses Zeitfenster. Wenn du dafür nicht dein Hauptsystem riskieren willst, nutze eine bootfähige Installation.
Wie immer gilt: Features in Insider-Builds werden kontrolliert ausgerollt, können sich ändern, entfernt werden oder am Ende gar nicht in einer finalen Windows-Version erscheinen.