Nach einer Phase mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten und schwankendem Erfolg greift Ubisoft nun zu drastischen Maßnahmen. Der Publisher reagiert damit auf einen Markt, der sich stark verändert hat und in dem große Produktionen immer teurer, riskanter und schwerer planbar geworden sind. Um konkurrenzfähig zu bleiben, stellt das Unternehmen seine Strategie, seine Projekte und seine interne Organisation neu auf.
Mehrere Spiele werden gestrichen oder verschoben
Ein zentraler Bestandteil der Neuausrichtung ist die Einstellung laufender Entwicklungsarbeiten. Ubisoft hat beschlossen, insgesamt sechs Spiele nicht weiterzuverfolgen. Zu den gestrichenen Projekten zählt auch das Remake von Prince of Persia The Sands of Time, das seit Jahren in Entwicklung war und bei vielen Spielern als Hoffnungsträger galt.
Darüber hinaus verschiebt das Unternehmen sieben weitere Titel auf einen späteren Zeitpunkt. Damit reduziert Ubisoft kurzfristig die Anzahl geplanter Veröffentlichungen deutlich und nimmt bewusst in Kauf, vorübergehend weniger neue Spiele auf den Markt zu bringen. Laut Unternehmensführung soll dieser Schritt helfen, Ressourcen zu bündeln und unrealistische Zeitpläne zu vermeiden.
Studios schließen, Strukturen werden neu geordnet
Neben den Projektstopps betrifft der Sparkurs auch die Standorte. Ubisoft schließt Studios in Halifax in Kanada sowie in Stockholm. In weiteren Ländern sollen Umstrukturierungen folgen. Gleichzeitig plant der Konzern, seine kreativen Aktivitäten künftig in fünf klar abgegrenzte Einheiten aufzuteilen, die jeweils nach Genres organisiert sind.
Mit dieser Neuordnung will Ubisoft schneller reagieren, Kosten senken und die Verantwortung klarer verteilen. Die Führung erhofft sich davon eine bessere Steuerung großer Produktionen, insbesondere im Bereich aufwendiger AAA Spiele.
Marktdruck, Börseneinbruch und veränderte Spielerwartungen
Die Ankündigungen hatten spürbare Folgen an der Börse. Der Aktienkurs fiel stark und erreichte den niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Der Unternehmenswert liegt damit weit unter früheren Höchstständen, was das angeschlagene Vertrauen der Investoren widerspiegelt.
Ubisoft begründet den Kurswechsel mit einem Markt, der deutlich selektiver geworden ist. Besonders gefragt sind derzeit Shooter, Multiplayer Spiele und Titel mit dauerhaftem Online Betrieb. Klassische Action Abenteuer verlieren dagegen an Bedeutung. Branchenexperten betonen, dass sich die Erwartungen der Spieler in den vergangenen zehn Jahren stark verändert haben und selbst bekannte Marken keinen Erfolg mehr garantieren.
Für Ubisoft ist die aktuelle Umstrukturierung deshalb ein Versuch, die eigenen Stärken neu auszurichten und langfristig wieder erfolgreicher zu werden. Ob dieser Plan aufgeht, hängt davon ab, ob es gelingt, kreative Qualität, wirtschaftliche Vernunft und die Interessen eines wandelnden Publikums in Einklang zu bringen.