Bremen will das Mindestalter für Online Glücksspiel in Deutschland von 18 auf 21 Jahre anheben. Der Vorstoß kommt aus der Innenbehörde und zielt auf die laufende Prüfung des Glücksspielstaatsvertrags im Jahr 2026. Aktuell gilt im Netz bundesweit weiter die Grenze von 18 Jahren. In Bremer Spielhallen liegt sie schon seit 2022 bei 21 Jahren. Der politische Kern ist damit klar: Bremen will die strengere Linie aus dem stationären Markt auch auf legale Online-Angebote übertragen.
Bremen will den Schutz für junge Erwachsene im Netz anheben
Der Vorstoß stützt sich auf neue Risikodaten. Der Glücksspiel Survey 2025 zeigt für die Altersgruppe von 18 bis 25 Jahren die höchste Quote glücksspielbezogener Störungen. Der Wert liegt bei 4,6 Prozent. Bei den 56 bis 70 Jährigen liegt er nur bei 0,8 Prozent. Auffällig hoch fallen die Belastungen vor allem bei virtuellen Automatenspielen, Glücksspielautomaten und Live Sportwetten aus. Bremen leitet daraus einen klaren Handlungsauftrag ab. Das bestehende Mindestalter von 18 Jahren soll aus Sicht der Innenbehörde für junge Erwachsene im Online Markt nicht mehr ausreichen.
Die aktuelle Rechtslage ist zweigeteilt. Seit Juli 2022 überwacht die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder das Online Glücksspiel bundesweit. Dort gilt in allen Ländern dieselbe Altersgrenze von 18 Jahren. Spielhallen, Spielbanken und Wettvermittlungsstellen fallen dagegen in die Zuständigkeit der Länder. Bremen hat diesen Spielraum bereits genutzt. Das Land hob das Mindestalter für Spielhallen auf 21 Jahre an und vergrößerte zugleich den Mindestabstand zwischen Spielhallen und Wettvermittlungsstellen von 250 auf 500 Meter. Jetzt soll derselbe Schutzgedanke auch im Internet greifen.
Was eine neue Altersgrenze ändern würde und wo die Lücke bleibt
Eine Anhebung auf 21 Jahre würde vor allem den regulierten Online Markt treffen. Legale Anbieter müssten ihre Zugänge und Prüfprozesse entsprechend anpassen. Für die laufende Debatte über Einzahlungslimits, Produktregeln und Kanalisierung wäre das ein weiterer Eingriff in den deutschen Markt. Der Schritt hätte aber auch einen klaren Nebeneffekt: Die Trennlinie zwischen lizenzierten Angeboten und einem Casino ohne OASIS würde noch sichtbarer werden. Ein legaler Anbieter müsste dann nicht nur Sperrstatus und Identität prüfen, sondern zusätzlich eine höhere Altersgrenze umsetzen. Ein unreguliertes Angebot außerhalb des deutschen Systems würde diesen Schutzrahmen nicht automatisch abbilden. Genau dort liegt der heikle Punkt der Debatte. Mehr Schutz im regulierten Markt stärkt den Jugendschutz. Mehr Schutz erhöht zugleich den Druck, die Abwanderung in unkontrollierte Angebote wirksam zu begrenzen.
Politisch ist der Vorstoß damit größer als eine reine Bremen Meldung. 2026 steht die Evaluation des Glücksspielstaatsvertrags an. In diesem Rahmen dürften zentrale Grundfragen wieder auf den Tisch kommen. Dazu gehören Schutz junger Erwachsener, Online Verfügbarkeit und die Wirksamkeit der bestehenden Regeln. Bremen hat für diese Debatte jetzt einen klaren Marker gesetzt. Die Frage lautet nicht mehr nur, ob 18 Jahre im Netz formal ausreichen. Die Frage lautet, ob der deutsche Glücksspielmarkt für die risikoreichste Altersgruppe tatsächlich das Schutzniveau bietet, das er für sich selbst beansprucht.