Die Isle of Man will im Glücksspielrecht einen klaren Kurswechsel bei der Durchsetzung einführen. Künftig sollen Zivilstrafen nicht mehr nur gegen Unternehmen möglich sein, sondern auch gegen einzelne Verantwortliche. Im Fokus stehen Controller, Key Persons und Senior Manager. Die Konsultation läuft seit dem 23. März 2026 und endet am 25. Mai 2026. Der Schritt geht über eine reine Gesetzesänderung hinaus. Die Gambling Supervision Commission verknüpft ihn mit ihrem breiteren Reformprogramm. Ziel ist eine stärkere Aufsicht, mehr Eingriffsmöglichkeiten und eine belastbarere Position im internationalen Regulierungsumfeld. Schon in der früheren Gesetzeskonsultation hatte die Behörde erklärt, dass die Reformen Teil der Vorbereitung auf die Moneyval-Prüfung 2026 sind und die Glaubwürdigkeit der Insel als Aufsichtsstandort stärken sollen.
Künftig können auch Controller, Key Persons und Senior Manager direkt bestraft werden
Der Kern der Änderung steht im Entwurf des Gambling Legislation (Amendment) Bill 2025. Dort heißt es, dass eine Zivilstrafe künftig gegen Controller, Key Persons oder Senior Manager verhängt werden kann, wenn ein AML/CFT-Verstoß des Operators mit deren Zustimmung oder Billigung geschah oder auf deren Vernachlässigung zurückzuführen ist. Die GSC hat dazu parallel eine neue Guidance veröffentlicht. Sie erläutert, wie individuelle Verantwortung bewertet wird, wie “consent”, “connivance” und “negligence” ausgelegt werden und wie die Höhe einer Geldbuße bestimmt werden soll.
Parallel will die Isle of Man auch ihre formalen Eingriffsmöglichkeiten ausbauen. Das Gesetzespaket schafft neue schriftliche Directions. Damit kann die Behörde Informationen verlangen, Korrekturmaßnahmen anordnen, eine Suspendierung oder Einstellung des Betriebs verlangen oder einen geordneten Rückzug begleiten. Wer solchen schriftlichen Anweisungen nicht folgt, muss laut Gesetzentwurf mit bis zu sechs Monaten Freiheitsentzug oder einer Geldstrafe auf Level 5 rechnen.
Wichtig ist auch der Zuschnitt der neuen Sanktionen. Die GSC stellt klar, dass persönliche Zivilstrafen zusätzlich zu Unternehmensstrafen gelten sollen und nicht an deren Stelle treten. Damit entsteht ein doppelter Haftungsrahmen. Das Unternehmen bleibt im Fokus der Aufsicht. Gleichzeitig steigt der direkte Druck auf Personen, die Compliance-Systeme entwerfen, überwachen oder abzeichnen.
Die Reform verändert den Blick auf Offshore-Regulierung in Europa
Für deutsche Leser ist der Schritt vor allem im größeren Offshore-Kontext interessant. Ein Casino ohne Lizenz steht im Alltag oft für weniger Kontrolle, weniger Vorgaben und mehr Freiraum für Betreiber. Die Reform auf der Isle of Man zeigt jedoch eine andere Entwicklung. Gerade internationale Standorte ziehen die Compliance-Schrauben enger und verlagern das Haftungsrisiko stärker auf die Führungsebene.
Dass die GSC diesen Kurs nicht nur ankündigt, zeigen die jüngsten Enforcement-Fälle. Im Februar 2026 verhängte sie gegen Shelgeyr Limited eine Zivilstrafe von 200.000 Pfund nach AML-Verstößen und betonte dabei ausdrücklich die Verantwortung des Boards für Aufsicht, Systeme, Verfahren und Kontrollen. In ihrer öffentlichen Enforcement-Rubrik verweist die Behörde außerdem auf weitere einschneidende Maßnahmen der jüngeren Zeit, darunter Celton Manx und Boldwood. Der Kurs ist also nicht neu. Neu ist die nächste Stufe. Künftig sollen einzelne Führungspersonen noch direkter in die Verantwortung rücken.
Für den europäischen Markt ist das ein klares Signal. Wenn eine etablierte Offshore-Jurisdiktion persönliche Sanktionen gegen Manager ausbaut, steigt der Druck auf Governance, Dokumentation und interne Kontrollketten im gesamten Sektor. In einer Phase mit wachsender Aufsicht, schärferer Geldwäscheprävention und höherem politischem Druck versucht die Isle of Man sichtbar zu machen, dass ein Compliance-Versagen nicht mehr nur beim Unternehmen hängen bleiben soll.