Frankreich schiebt seinen Glücksspielmarkt gerade in zwei verschiedene Richtungen zugleich. Die Regulierungsbehörde ANJ veröffentlichte am 20. März 2026 die Homologation der Betclic Software „Smash Knockout (SKO)“. Bereits am 13. März erschien dort außerdem der erste Eingang einer vorherigen Erklärung für ein JONUM Angebot. Zusammen zeigen beide Schritte, dass Frankreich nicht auf ein breites Standardmodell setzt, sondern immer stärker eigene Produkt und Zulassungskategorien aufbaut.
Betclic bekommt neue Softwarefreigabe in einem ohnehin engen Online Modell
Die auf der ANJ Website veröffentlichte Entscheidung 2026-PR-027 vom 12. März 2026 homologiert das Spielsoftwaremodul „Smash Knockout (SKO)” von Betclic Enterprises Limited. Die Veröffentlichung auf der Behördenseite erfolgte am 20. März. Damit bewegt sich der Fall klar innerhalb des französischen Systems der genehmigten Online Angebote und ihrer einzelnen Softwarefreigaben.
Wichtig ist der Marktkontext dahinter. Frankreich kennt online kein offenes Casino-Modell wie in vielen anderen europäischen Debatten. Die ANJ nennt für den offenen Online-Markt nur drei genehmigte Kategorien: Sportwetten, Pferdewetten und Poker. Auf der offiziellen Liste der zugelassenen Betreiber wird Betclic entsprechend mit paris sportifs, paris hippiques und jeux de cercle geführt. Genau deshalb ist die Freigabe von SKO nicht einfach ein beliebiger Produktstart, sondern ein weiterer Baustein in einem Markt, der Produkte und Kategorien deutlich enger trennt als viele Beobachter annehmen.
JONUM zeigt, dass Frankreich neben dem Glücksspielrecht eine neue Spur öffnet
Parallel dazu läuft seit Februar 2026 die französische JONUM-Experimentierphase. Die ANJ erklärte am 19. Februar, dass die Artikel 40 und 41 des SREN-Gesetzes für drei Jahre einen eigenen Regulierungsrahmen für jeux à objets numériques monétisables schaffen. Diese Angebote werden von der ANJ reguliert, beruhen überwiegend auf Blockchain-Technologie und unterliegen laut Behörde einem leichteren Regulierungsrahmen als klassisches Glücksspiel. Anbieter müssen vor dem Start eine vorherige Erklärung bei der ANJ einreichen. Die Behörde stellt dafür ein récépissé aus, betont aber ausdrücklich, dass dieses Dokument keine Konformitätsgarantie darstellt.
Am 13. März veröffentlichte die ANJ dann den ersten solchen Eingang: Récépissé n° 2026-01 für das Angebot CYLIMIT der Gesellschaft CYLIMIT. Das Dokument nennt den 25. Februar 2026 als Datum der vollständigen vorherigen Erklärung. Damit ist aus dem neuen JONUM-Rahmen nicht nur ein abstraktes Gesetzesprojekt geworden, sondern ein tatsächlich genutztes regulatorisches Gleis.
Für deutsche Leser ist genau diese Struktur interessant. Frankreich zeigt damit sehr deutlich, dass Europa keine einheitliche Lizenzlogik kennt. Während in Deutschland ein Casino ohne deutsche Lizenz den Blick auf ausländische Alternativen lenken, baut Frankreich gar nicht erst ein breites Online Casino Modell auf, sondern arbeitet mit einer viel engeren Marktarchitektur aus genehmigten Online-Wetten, Poker und nun zusätzlich einem eigenen Experimentierfeld für JONUM. Der französische Sonderweg besteht also nicht nur aus strengeren Regeln, sondern aus anderen Produktkategorien und anderen Zugängen zum Markt.
Unter dem Strich machen die beiden Veröffentlichungen vom März denselben Punkt sichtbar. Frankreich erweitert seinen digitalen Spielmarkt nicht über eine pauschale Öffnung, sondern über präzise abgegrenzte Schienen. Einerseits steht dort die konkrete Homologation einer Betclic-Software im bestehenden System. Andererseits entsteht mit JONUM ein neues, separat gedachtes Regulierungsfeld. Für den europäischen Markt ist das ein weiterer Hinweis darauf, dass nationale Glücksspielordnungen nicht zusammenlaufen, sondern sich immer stärker auseinanderentwickeln.