Italien geht mit seiner Glücksspielreform in eine neue Phase. Nach aktuellem Stand soll der Entwurf für die Neuordnung des stationären Glücksspiels am 10. April in der Conferenza Unificata erstmals öffentlich-technisch behandelt werden. Damit würde die zweite große Etappe der Meloni-Reform beginnen, nachdem der Staat den Neuordnungsprozess mit der Reform des Online-Glücksspiels bereits 2024 gesetzlich angestoßen hatte.
Der Schritt ist politisch wichtig, weil die Reform nicht isoliert steht. Die italienische Steuerreformdelegation vom August 2023 gab der Regierung 24 Monate Zeit für die Neuordnung des öffentlichen Glücksspielsektors. Darauf folgte im April 2024 das Dekret zur Neuordnung des Glücksspiels „beginnend mit dem Remote-Bereich“. Der stationäre Bereich ist damit der noch offene große Block der Reform. Wenn der 10. April hält, rückt Italien sichtbar näher an den Punkt, an dem nicht mehr nur Online-Lizenzen, sondern auch Spielhallen, Wettshops, Bingo und Geldspielgeräte neu geordnet werden.
Was der neue Entwurf für den italienischen Markt verändern soll
Nach aktuellem Reformstand soll das neue Dekret vor allem nationale Regeln für den stationären Markt festziehen. Im Fokus stehen Beschränkungen bei Öffnungszeiten, neue oder präzisierte Mindestabstände zu sensiblen Orten wie Schulen und Krankenhäusern sowie eine neue Struktur für Konzessionen in mehreren Verticals. Genannt werden Startgebote von 25 Millionen Euro für Lose mit 4.000 AWPs und 900 VLTs, Retail-Betting-Blöcke mit 25 Lizenzen zu je 60.000 Euro und einer Basis von 1,5 Millionen Euro sowie 350.000 Euro pro Bingo-Standort für 210 Hallen. Parallel ist von einem Zertifizierungssystem für zugelassene Betreiber, stärkerer AML-Aufsicht unter Führung der ADM und einem ständigen Gremium zur Beobachtung problematischen Spielverhaltens die Rede.
Der Reformdruck steigt auch deshalb, weil der Markt seit Monaten zwischen Zentralstaat, Regionen und Kommunen neu austariert wird. Die geplante Neuordnung soll nationale Standards über Italiens 20 Regionen und zahlreiche Kommunen hinweg vereinheitlichen. Gleichzeitig verweisen aktuelle Berichte aus Rom auf einen wachsenden unregulierten Markt, der über Retail und Online zusammen auf 30 bis 35 Milliarden Euro geschätzt wird. Genau das macht den 10. April so relevant: Es geht nicht mehr nur um Formalien, sondern um die Frage, ob Italien mit einem engeren, aber kohärenteren Rechtsrahmen den legalen Markt stabilisieren und den unregulierten Teil sichtbar zurückdrängen kann.
Warum die Reform auch im deutschen Markt genau beobachtet wird
Der italienische Streit ist auch für Deutschland relevant, weil er denselben Zielkonflikt offenlegt, der in regulierten Märkten immer wieder auftaucht. Der Staat will Spielerschutz, klare Kontrolle und legale Kanalisierung. Gleichzeitig darf das regulierte Angebot nicht so eng oder so reibungsintensiv werden, dass Spieler an ihm vorbeiziehen. Genau an diesem Punkt wird ein Suchbegriff wie Online Casino ohne Limit zum Marktsignal. Er steht nicht nur für ein Keyword, sondern für das, was Spieler außerhalb des regulierten Rahmens suchen: mehr Auswahl, weniger Hürden und ein Produkt, das weniger begrenzt wirkt. Wenn Italien nun Öffnungszeiten, Standortregeln und Konzessionsstrukturen gleichzeitig neu zieht, wird genau diese Balance wieder neu getestet.
Für Deutschland ist das deshalb interessant, weil die gleiche Debatte über die deutsche Casino Kanalisierung längst läuft. Die GGL setzte den Anteil des unregulierten Online-Markts zuletzt auf 22,97 Prozent und die Kanalisierungsquote auf 77,03 Prozent. Italien zeigt nun auf einer anderen Marktstufe, wie schnell dieselbe Grundfrage wieder auftaucht: Reicht ein striktes legales Modell aus, um Spieler im System zu halten, oder verstärkt es am Ende gerade die Attraktivität von Angeboten außerhalb des regulierten Rahmens. Wenn Rom die Neuordnung am 10. April sichtbar voranbringt, ist das deshalb nicht nur eine italienische Branchenmeldung, sondern ein brauchbarer Vergleichsfall für den gesamten europäischen Regulierungsstreit.
Unter dem Strich wird der 10. April zu einem echten Prüftermin für die Reformstrategie der Meloni-Regierung. Der Online-Teil ist längst angestoßen, der stationäre Teil hängt nun an politischen und regionalen Abstimmungen. Gelingt der nächste Schritt, bekommt Italien eine greifbare zweite Reformphase. Verzögert er sich erneut, bleibt der Markt weiter zwischen alten Konzessionsstrukturen, regionalen Sonderregeln und wachsendem Druck durch unregulierte Angebote hängen.