Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder beziffert den illegalen Anteil am deutschen Online-Glücksspielmarkt jetzt auf 22,97 Prozent. Die daraus abgeleitete Kanalisierungsquote liegt bei 77,03 Prozent. Grundlage ist eine neue Studie, die am 16. März veröffentlicht wurde. Für den Markt ist das eine wichtige neue Kennzahl. Die Debatte über illegale Anbieter, unzureichende Kanalisierung und die Wirksamkeit der deutschen Regulierung bekommt damit neue Dynamik.
23 Prozent Schwarzmarkt
Die neue Zahl stammt aus einer Untersuchung des Blockchain Research Lab im Auftrag der GGL. Die Behörde wertet das Ergebnis als Beleg dafür, dass der regulierte Markt den größeren Teil des Online Glücksspiels ausmacht. Gleichzeitig bleibt der illegale Bereich groß. Fast ein Viertel des Online-Marktes läuft nach dieser Berechnung außerhalb des erlaubten Systems. Das ist zu viel, um von einem Randproblem zu sprechen.
Die Zahl ist auch deshalb brisant, weil sie mitten in die laufende Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags 2021 fällt. In den vergangenen Monaten standen sehr unterschiedliche Schätzungen im Raum. Teilweise war von einer sehr hohen Kanalisierung die Rede. Teilweise wurden deutlich größere Schwarzmarktanteile genannt. Jetzt liegt erstmals eine konkrete Zahl vor, mit der die Debatte deutlich schärfer geführt werden dürfte.
Besonders wichtig ist dabei der Blick auf Casinos ohne deutsche Lizenz. Genau dieser Bereich bildet den Kern des Problems. Solche Anbieter stehen außerhalb des deutschen Erlaubnissystems. Dort greifen OASIS, Identitätsprüfung, Einzahlungslimits und weitere Schutzregeln nicht im selben Rahmen wie bei legalen Angeboten. Der neue Schwarzmarktwert zeigt deshalb nicht nur ein Marktvolumen. Er zeigt auch, wie groß der Bereich bleibt, in dem der deutsche Spielerschutz nicht voll durchgesetzt wird.
Kanalisierung im deutschen Glücksspielmarkt
Für die Regulierung ist die Kanalisierung die entscheidende Messgröße. Das Ziel des Staatsvertrags ist klar. Spieler sollen in legale Angebote gelenkt werden. Dort gelten Sperrdatei, Identitätsprüfung und weitere Schutzregeln. Wenn aber 22,97 Prozent des Marktes im illegalen Bereich liegen, bleibt diese Lenkung unvollständig. Die neue Studie verschärft deshalb die Frage, ob das heutige Regelwerk stark genug ist, um Spieler dauerhaft im erlaubten Markt zu halten.
Die Zahl bekommt noch mehr Gewicht durch den größeren juristischen Kontext. Am 16. April 2026 verkündet der EuGH im Verfahren C-440/23 sein Urteil zu früherem Online Glücksspiel ohne deutsche Erlaubnis. Dort geht es unter anderem um Rückforderungen von Verlusten aus früheren Angeboten ohne deutsche Lizenz. Die neue Schwarzmarktquote und das EuGH-Verfahren greifen deshalb ineinander. Die GGL zeigt, wie groß der illegale Markt heute noch ist. Der EuGH klärt bald, welche rechtlichen Folgen frühere Angebote ohne deutsche Erlaubnis für Spieler und Anbieter haben können.
Die GGL will daraus vor allem mehr Druck auf die Infrastruktur des Schwarzmarkts ableiten. Im Fokus stehen nicht nur Betreiber selbst, sondern auch Zahlungsströme, Reichweite und technische Strukturen. Für die nächsten Monate ist damit klar: Die Zahl von 22,97 Prozent wird nicht nur als Marktwert diskutiert werden. Sie wird zu einem zentralen Argument in der Evaluierung 2026 und in der Frage, wie Deutschland mit illegalem Online Glücksspiel weiter umgeht.